Wednesday, 20th February 2019
20 Februar 2019

Maischberger gnadenlos bei Ehe für alle: So hakt sie bei Kramp-Karrenbauer nach

Annegret Kramp-Karrenbauer sollte in der Talkshow von Sandra Maischberger ihre umstrittene Haltung zur Ehe für alle erklären. Die CDU-Vorsitzende wandte sich, doch Maischberger hakte gnadenlos nach. Ein Glanzstück der Moderatorin und ein Tiefpunkt von AKK.

Sandra Maischberger hakt bei Annegret Kramp-Karrenbauer gnadenlos nach

Sie war der einzige Gast in der ARD-Talkshow „Maischberger“ am Mittwochabend: Die CDU-Vorsitzende stellte sich eine Stunde lang den Fragen von Sandra Maischberger. „Katholisch, konservativ – Kanzlerin?“ war der Titel der Sendung, in dem es unter anderem um die religiöse Erziehung von Kramp-Karrenbauer, ihre Meinung in der Dieselaffäre und ihre Ambitionen aufs Kanzleramt ging. Gleich zu Beginn der Sendung sorgte ein Thema für eine heftige Kontroverse: Kramp-Karrenbauers umstrittene Äußerungen zur Ehe für alle.

Doch statt ihre Haltung zu überdenken und einen Fehler einzugestehen, wandte sich Kramp-Karrenbauer. In einem Interview mit der „Saarbrücker Zeitung“ hatte sie zum Thema Ehe für alle 2015 wörtlich gesagt: „Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen.“ Erschreckend, dass sie bis heute nicht zu verstehen scheint, dass sie alle Schwulen und Lesben damit kriminalisiert.

Bettina Boettinger bringt es auf den Punkt

Die offen lesbisch lebende Moderatorin Bettina Boettinger erklärt den Unmut von Lesben und Schwulen in einem zuvor aufgezeichneten Videobeitrag: „Sie bringen die Ehe für alle mit Inzucht und Polygamie in Verbindung. Beides ist in Deutschland strafbar“, sagte Boettinger. „Damit sind sie dabei, homosexuelle Menschen zu kriminalisieren.“ Boettinger warf der neuen CDU-Vorsitzenden vor, aus „machtstrategischen Gründen“ bei ihrer Kritik zu bleiben und fragte: „Werden sie im Sinne einer modernen und toleranten Gesellschaft die Ehe für alle akzeptieren?“

Doch Kramp-Karrenbauer antwortete ausweichend. „Ich habe dazu eine sehr persönliche Meinung, ansonsten ist das Thema entschieden. Auch durch die Stimmen meiner Partei im Bundestag. Das akzeptiere ich selbstverständlich.“ Doch Maischberger brachte noch einmal auf den Punkt, was viele empört: „Das Problem ist, dass sie die Ehe für alle kriminalisieren. In die Ecke der Vielehe und Inzucht stellen. Da geht hört sie hin, ihrer Meinung nach?“

Kramp-Karrenbauer antwortete erneut ruhig und sachlich, dass diese Position eine sehr persönliche sei. „Und dabei möchte ich auch bleiben.“ Gleichzeitig betonte sie, sich immer gegen Diskriminierung eingesetzt zu haben und dies auch weiterhin tue. Doch Maischberger ließ nicht locker. „Darum geht es nicht“, erklärte die Moderatorin und nahm einen neuen Anlauf. „Dass sie die Ehe für alle mit Vielehe und Inzest gleichsetzen, das ist der Kritikpunkt. Würden sie das denn zurück nehmen?“

Kramp-Karrenbauer versteigt sich in Absurditäten

 Dann gingen Kramp-Karrenbauer die Argumente aus. Sie redete davon, dass sie ihre Position deshalb so gewählt hatte, weil es Forderungen nach mehr als zwei Partnern in der Ehe gegeben habe. „Wer hat das gefordert?“, fragte Maischberger nach. Dann wurde es absurd: „Das war irgendein Verband der ‚Julis'“, sagte AKK, die sichtlich nervöser wurde. „Der jungen Liberalen?“, hakte Maischberger erstaunt nach und setze eins drauf: „Wie viele Menschen kennen sie, die ihre Tante heiraten wollen?“

„Ich bleibe bei meiner Position. Aber als CDU-Vorsitzende ist das Thema entschieden“, versuchte Kramp-Karrenbauer das Thema zu Ende zu bringen. Doch Maischberger blieb gnadenlos: „Sie bleiben dabei, wenn man das eine akzeptiert, dann ist die Vielehe und der Inzest nicht weit?“ Wiederum belehrte AKK, dass sie die Rechtslage akzeptiere und diese auch verteidigen werde. Die Moderatorin schien Gefallen daran gefunden zu haben, die neue CDU-Vorsitzende vor sich hertreiben zu können. „Aber trotzdem, haben sie mal jemanden kennengelernt, der seine Tante heiraten wollte?“, wollte sie erneut wissen.

Das Gespräch ist ein Glanzstück in der deutschen Talkshow-Landschaft. Auf der einen Seite die Politikerin, die immer wieder versucht, dem Thema auszuweichen. Auf der anderen Seite eine Journalistin, die knallhart am Ball bleibt. Bravo! Derartige Gespräche bräuchte es viel öfter. Kramp-Karrenbauer gilt es zugute zu halten, dass sie die kritischen Fragen mit einer stoischen Ruhe annahm. Doch ihre Chance, ihre Haltung zu revidieren, nutzte sie nicht. Schade.

Schließlich fand die Diskussion ein halbwegs versöhnliches Ende. Angesprochen darauf, wie Kramp-Karrenbauer damit umgehen würde, wenn eines ihrer Kinder eine gleichgeschlechtliche Ehe eingehen würden, sagte sie: „Ich würde selbstverständlich zur Hochzeit gehen.“ Und sie ergänzte: „Meine Kinder fanden meine Position zur Ehe für alle dämlich und doof.“

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