Sunday, 16th June 2019
16 Juni 2019

Der Bachelor in der TV-Kritik: Rausschmiss-Drama in Mexiko

Die Kandidatinnen werden immer weniger und in der aktuellen Folge musste Bachelor Andrej erneut drei Damen aussortieren. Gar nicht so leicht. Da will er lieber vorher noch mal alle auf Herz und (Ma)Nieren prüfen.

Warum sieht man die Kandidatinnen eigentlich nie am Strand? Ständig bekommen wir die Villa in Mexiko von oben gezeigt, direkt am goldenen Sandstrand, am türkisfarbenen Meer. Schwimmen da Haie drin? Gibt es da Sandflöhe? Oder ist RTL so grausam, dass die Mädels wirklich 24/7 auf dem Villengelände verbringen müssen – bei dieser Aussicht? Dann könnte man jedenfalls verstehen, warum die Stimmung in der „Ladysvilla“ so mies ist.

In die neue Folge der allseits beliebten Balzshow starten wir nämlich mit einem handfesten Krach unter den Damen. Eva ist ziemlich erbost: „Cecilia hat mir an den Kopf geworfen, ich sei eine Ratte!“, empört sie sich vor versammelter Mädelsmannschaft. Es ging wohl um irgendeine Bemerkung bei der letzten Nacht der Rosen, ist auch völlig egal, wir genießen jedenfalls kurz den völlig sinnfreien, aber rasant eskalierenden Konflikt. Nach einigem hin und her stellt Cecilia (vor der wir, ganz ehrlich, eine Heidenangst hätten) Folgendes klar: „Ich mag dich sowieso nicht! Zuhause würde ich niemals mit dir sprechen.“ Zuhause hätte es wohl gleich einen auf die Mütze gegeben? Man weiß es nicht. Eva bleibt cool, man einigt sich auf gegenseitige Unsympathie.

Christina suchte in der Nacht der Rosen erneut das Gespräch mit Bachelor Andrej, genutzt hat es am Ende nichts

„Ich kann mich nicht schminken vor Nervosität“

Da muss man fast kichern, als man sich nach so viel Konflikt erinnert, dass es hier ja eigentlich um die Liebe geht. Das wird dem geneigten Zuschauer bewusst, als eine Einladung von Andrej in der Villa eintrudelt. Spoiler: Es wird eine von vielen sein, dieses Mal. Der Bachelor will nämlich, jetzt wo die Damen immer weniger werden, möglichst viele noch mal auf Herz und Nieren checken. Oder beliebige andere Organe.

Vom Einzeldate bis zur Rose

"Darf ich dich kurz entführen?" & Co.: Aus diesen 126 Sätzen besteht der "Bachelor"

Zuerst dürfen ihn Aggro-Cecilia und die süße Brasilianerin Nathalia zuhause besuchen. Nathalia ist so aufgeregt, dass sie vor dem Spiegel verzweifelt krakeelt: „Ich kann mich nicht schminken vor Nervosität!“ Niedlich. Nicht so niedlich ist dann das Date, das eigentlich nur aus jeweils einem eher ernsten Plausch mit Andrej besteht, der sich am Ende entschließt, Cecilia direkt nach Hause zu schicken. Nicht wegen des Beefs vorhin, von dem weiß er ja nix. Sondern, weil sie bisher ihm gegenüber so zurückhaltend war. „Das ist doch völlig konträr zu deiner Art“, sagt Andrej, und damit hat er nicht nur Recht (siehe Beef), sondern benutzt sogar ein Fremdwort. In einer RTL-Show! Wir fanden ihn ja vorher schon ganz gut, jetzt hat er bei uns direkt noch ein Steinchen mehr im Brett. Auch sein Abschied von Cecilia ist äußert fair. Er begründet ihren Rauswurf damit, „weil du noch sehr jung bist und in der Findungsphase, was ja ganz normal ist“. Weise Worte.

So, jetzt waren wir kurz raus aus dem Geschehen in der Damenvilla. Und wären es auch gern geblieben, aber RTL lässt uns nicht. „Dann kamen wir auf die Idee, dass wir uns einfach alle total hässlich geschminkt haben“, verrät Schwäbin Nadine, und man darf sich fragen, wie viel Langeweile man haben muss, um diese Idee witzig zu finden. Wir sehen also einen Haufen Mädels in albernen Klamotten, mit Make-up irgendwo zwischen Blackfacing und dem Musical „Cats“, die am Pool zu Spice-Girls-Mucke tanzen und dann albern kichern. Was zur Hölle. Wenn das Spaß ist, wollen wir nie wieder welchen haben. Und wenn das Internet aus den Fotos dazu nicht direkt einen ganzen Schwung entsprechender Memes zaubert, dann haben wir unseren Glauben an die Welt verloren.

Die „gute Laune“ ist natürlich sofort vorbei, als Cecilia und Nathalia wiederkommen und die beiden verkünden, dass Cecilia gehen muss. Nathalia ist, das ist schon wieder süß, die Erste, die heult. Dann heulen alle anderen mit. Bis auf Eva – verständlicherweise.

Christinas Torschlusspanik

Gut, eine Wackelkandidatin hat Andrej also aussortiert. Als nächstes lädt er Christina zum Abendessen am Strand ein. Christina, das war die verrückte Hannoveranerin mit dem Lied über Mexiko City. Wieso haben wir sie seit der ersten Folge eigentlich nie wieder singen gehört? Hm. „Meine Gebete wurden erhört“, freut sie sich über ihr Date. „Lichter, Sushi, geiler Mann neben dir – was willste mehr?“ Sushi sagt sie wie „Suschi“, mit einem ganz harten Sch in der Mitte. So, wie man eine Katze ausschimpft, wenn sie mal wieder auf den Teppich gewürgt hat. 

Das Date läuft nur so mittel, obwohl Andrej ihr bis dahin immer erstaunlich wohlgesonnen schien. Jetzt aber nutzt Christina die Gelegenheit, ihren Fanatismus in schönster Pracht auszubreiten: „Ich wollte eigentlich mit 30 verheiratet sein“, sagt sie, und dann sagt sie sehr oft, dass sie ja nun schon 30 sei. Als der Bachelor sie fragt, woran die letzte Beziehung gescheitert sei, eröffnet sie ihm, dass es an einem gefehlt habe: „An Aufmerksamkeit. Ich muss das Gefühl haben, er gehört mir!“ An Andrejs Stelle hätten wir spätestens jetzt viel Angst bekommen. 

"Der Bachelor" 2019

Andrej Mangold: Der sensibelste Bachelor aller Zeiten?

Es sind jetzt vier Folgen „Der Bachelor“ über die Schirme geflattert und Andrej Mangold hat drei freiwillige Abgänge, eine Heul-Attacke und erst einen Kuss zu verzeichnen. Ist das jetzt sympathisch oder fehl am Platz?

Er nimmt es hingegen mit Humor und kichert über Christinas offensichtliche Torschlusspanik. Als sie dann, dezent verzweifelt, sagt, dass sie zu allem bereit und „ein neugieriger Mensch“ sei, verschluckt er sich vor Lachen, oder vor Schrecken, an seinem Drink. Das war sehr, sehr lustig.

Aber es gibt ja noch mehr Damen im Haus. Die nächste, die Andrej sich vorknöpft, ist Steffi. Steffi, 32, bodenständige Düsseldorferin und nicht die klassische 20-jährige Tussi-Schönheit. Wir mögen Steffi ja sehr, haben wir vielleicht die letzten Male gelegentlich erwähnt, und ja, wir mögen sie immer noch. Jenni hingegen mag sie wohl nicht ganz so sehr. Als die Frauen erfahren, dass Steffi einen Kurztrip MIT ÜBERNACHTUNG zusammen mit Andrej unternimmt, knirscht die sportliche Brünette ganz schön mit den eifersüchtigen Zähnen.

Seehunde gehen immer!

Hilft aber nichts, Steffi und Andrej fliegen trotzdem in einem kleinen Flugzeug bis nach La Paz. Schon im Flieger nutzt Steffi die Chance, dem Bachelor den Arm um die Schulter zu legen. Das wirkt bei ihr aber so natürlich, dass man das einfach nicht als ordinär oder als Masche betrachten kann. Die meint das so. Die findet den gut und zeigt das eben.

Angekommen, besteigt das Pärchen erst einmal ein kleines Boot und düst über das mexikanische Meer, um Seehunde anzugucken. Dann schnorcheln sie Hand in Hand und gucken noch mehr Seehunde an. Seehunde sind aber auch ziemlich süß, mit denen macht man bei einer romantischen Veranstaltung halt nichts falsch. Am Abend folgt das obligatorische Candlelight-Dinner, gefolgt vom Fummeln auf der obligatorischen Fummelcouch. „Bist du dir sicher hier?“, fragt Andrej. „Ja“, sagt Steffi nachdrücklich. „Du nicht?“ „Doch voll“, sagt Andrej. Und dann knutschen die beiden. Ei ei ei, wenn das Jenni sehen würde! Und irgendwie wird man den Gedanken nicht los, dass sich das auch Andrej in diesem Moment denkt. 

Meinung

Das Tränenmeer von Mexiko

Liebe Heulsusen beim "Bachelor": Was stimmt denn nicht mit euch?

Den ersten Kuss mit Steffi findet er nur so mittel, schiebt das aber darauf, „dass sie die Kamera nicht hundertprozentig ausblenden kann“. Ist vermutlich auch schwierig. Die Lösung: Steffi verbringt die Nacht mit ihm in einem Zimmer, damit man endlich mal vernünftig reden kann. Ja, da können Sie ruhig lachen, aber WIR glauben tatsächlich, dass da außer Knutschen und Fummeln (das gibt Steffi auch freimütig zu) vor allem ausführlich geplaudert wurde. Andrej ist der Typ, der sich bei den Frauen auch nach vier Wochen fragt, ob es für einen Kuss nicht noch zu früh sei. Der macht nichts Unanständiges, bevor er nicht mindestens verlobt ist!

Die beiden wirken jedenfalls am nächsten Morgen sehr harmonisch und Steffi durchaus zufrieden mit der Gesamtsituation. Aber, halt, da gab es doch jemanden, der ihr die schöne Zeit eventuell nicht gegönnt hat – Jenni. „Sie sah aus, als würde sie krank sein“, giftelt die, als die Konkurrentin am nächsten Tag zurück in die Villa kommt. „Gestrahlt hat die nicht!“

Der Bachelor zeigt Kinderfotos

Später gibt’s dann (gähn, schon wieder, ja) eine Botschaft von Andrej. Sie lautet: „Ich möchte euch etwas zeigen und bringe Popcorn mit.“ Wäre es nicht der Ehrenmann-Bachelor, würden wir jetzt albern kichern. Stattdessen wischen wir uns bald darauf ein Tränchen weg: Andrej besucht die Damen und hat nicht nur Popcorn, sondern auch alte Kinderfotos der Kandidatinnen dabei. Claudia sieht ihres, auf dem sie einen süßen Hund knuddelt, und sie schnieft, weil der süße Hund nicht mehr lebt. Bald darauf weint Nadine, weil sie in der Schulzeit wegen ihrer großen Brüste gemobbt wurde. Ja, das ist ein ernsthaftes Problem, wissen wir. Aber in diesem Moment einfach albern.

Nach der Sofarunde nimmt Andrej noch die blonde Vanessa mit zu sich nach Hause, und auch sie bekommt ihr romantisches Dinner, während dem eine anspornende Videobotschaft ihrer Schwester an eine Wand projiziert wird. Süß. Und dann weint auch Vanessa, weil sie feststellt, dass sowohl sie als auch Andrej mit einem schwierigen Verhältnis zu ihren Vätern hadern. Das ist ein wirklich berührender Moment. Als die beiden später aufs Fummelsofa wechseln, wird nur ein kleines bisschen gefummelt. Vanessa fühlt sich noch nicht bereit … oder sie hat Angst vor Jennis Reaktion auf einen womöglichen Kuss. Andrej findet es jedenfalls gut. „Sie ist die erste, die nicht sofort Ja gesagt hat“, lobt er. Für diese Zurückhaltung bekommt Vanessa dieses Mal die Vorab-Rose. Und bedankt sich mit einem verlegenen Kuss auf Andrejs Hals dafür.

Die meisten Ladys hatten also in dieser Folge noch mal die Chance, zu glänzen. Als sich alle zur anschließenden Nacht der Rosen zusammenfinden, wollen die Verschmähten auch zumindest etwas Quality Time mit dem Bachelor. Zuerst Jennifer. Sie mosert, dass sie wegen der anderen schlechte Laune bekäme und will Andrej küssen. Der lächelt verlegen-charmant und wehrt ab: „Dann werd‘ ich verprügelt hier!“ Er kennt seine Pappenheimer.

Reportage der Woche

Selbstversuch

"Hola Chicas" und Co.: Ich habe versucht, einen Tag lang in "Bachelor"-Sätzen zu sprechen

Beim „Bachelor“ reden alle, als würden sie aus „Smalltalk für Anfänger“ vorlesen. Finde ich schlimm – musste ich ausprobieren. Der gewillte Leser sei allerdings gewarnt: Das Ergebnis hat selbst mich überrascht. 

Auch Hyaluronschnäbelchen Jade nimmt ihn beiseite und möchte sagen, dass sie nicht glaubt, dass die beiden sich schon gut genug kennengelernt hätten. Dabei verheddert sie sich jedoch ziemlich lustig in einer skurrilen Metapher, in der es um spannende, aber nur halb gelesene Bücher geht. „Das Wichtige ist am Ende des Buches, du hast es aber zugeklappt!“, beschwört sie ihn eindringlich. Im Interview erklärt sie später: „Für mich war es in dem Moment einfacher, ihm ein Beispiel zu geben, wie ich das meine, was ich sage.“ Jaja, so hat das Jesus seinerzeit ja auch gehandhabt. „Obwohl ich selber nicht lese“, fügt Jade hinzu. Und irgendwie hat sie damit etwas in unserem Herzen kaputtgemacht.

„Alles kommt, wie es kommen soll“

Und dann wird ein bisschen im Pool geplanscht. Klar, einige baggern dabei recht körperlich an Andrej herum, andere wenden sich ob dieses Anblicks empört ab. „Wenn zehn Weiber auf ihn draufgehen, würd‘ ich nicht auch noch draufgehen“, mosert Eva und zieht eine Schnute. Auch Jenni ist nicht begeistert davon, wie Jade ihre Brüste einsetzt, während Andrej sie untertauchen will. 

So viel sei verraten: Jade kommt bei der Rosenvergabe trotzdem weiter. „Ich lese Bücher immer zu Ende“, begründet Andrej das. Jade freut’s. „Ich will mein Buch auch zu Ende lesen!“, sagt sie. Ob sie wohl überhaupt eines besitzt?

Leer gehen die süße Ernestine (schnüff) und die verrückte Christina aus. Christina ist not amused. „Schade, dass ich mich echt so in dir getäuscht habe“, faucht sie Andrej an. Sie ist so wütend, dass sie kaum sprechen kann. Als sie mit Ernestine davonstakst, murmelt sie fassungslos: „Das ist krank!“ Und dann nimmt sie vorweg, was wir hier ja gerne selber an dieser Stelle geschrieben hätten, aber was soll’s: „Der kann froh sein, dass ich nicht Yeliz bin und ihm eine geballert hab!“ (Nur hat Herr Völz damals ja direkt zuvor mit Yeliz geknutscht, was Andrej mit Christina ganz bewusst nicht getan hat, aber nun ja. Glück gehabt, Andrej!)

Und Ernestine? „Ich akzeptier‘ die Entscheidung“, sagt sie schulterzuckend. „Ich glaube eh, alles kommt so, wie es kommen soll.“ Ach Ernestine, irgendwie bist du ja nach anfänglicher Skepsis doch noch in unser Herz gestolpert. Hoffentlich sieht man dich bald mal im Fernsehen wieder. Die „Ernestine-Show“ würden wir einschalten!

Alle Episoden von „Der Bachelor“ bei TVNOW.

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