Sunday, 16th June 2019
16 Juni 2019

Patrick Beckert: Allein, aber nicht einsam

Der Eisschnellläufer ist zur Medaillenhoffnung für die Olympischen Spiele in Pyeongchang aufgestiegen. Er verfolgt ein eigenwilliges Konzept.

Ein Mann blickt mutig nach vorn. Patrick Beckert hat in dieser Saison noch viel vor.

Der Weg auf Eis ist vorgeschrieben. Im Oval gibt es nur eine Richtung: immer reihum, immer nach vorn. Auch für Eisschnellläufer Patrick Beckert gilt das in dieser Weise. Und dennoch hat der 27-Jährige seinen eigenen Weg gefunden. Beckert trainiert eigenwillig, ohne Konzept des deutschen Verbands – und ist gleichzeitig eine der größten Medaillenhoffnungen für die Olympischen Spiele in Pyeongchang. So wie schon bei der Generalprobe beim Weltcup an diesem Wochenende in seiner Heimatstadt Erfurt.

Drei Jahre ist es nun her, dass Patrick Beckert sich zu seinem Alleingang entschied. Eisschnelllauf sei ein Einzelsport, hatte er damals gesagt: Auch noch so ausgeklügelte Pläne passten einfach nicht für jeden. Beckert ging in die Niederlande. Schloss sich dort einem Privatteam an. Er flog aus der Förderung, finanzierte sich selbst. Erst erntete er Kopfschütteln der Kollegen. Und nun? Patrick Beckert ist auf den Langstrecken 17-maliger Deutscher Meister. Zweimal WM-Bronze gewann er seitdem. So einen lässt man wohl machen. Inzwischen gibt es wieder Geld vom Verband, auch wenn er – zurück in Erfurt – statt auf Anweisung lieber für sich mit dem kanadischen Trainer Gabriel Girard trainiert.

Eine echte Eisschnelllauf-Familie

Ja, es ist ein Alleingang. Aber einsam? Einsam ist Beckert nicht. Schon der Familie wegen: Auch drei Geschwister sind mit Schlittschuhen an den Füßen aufgewachsen. Stephanie, die Älteste, gewann 2010 in Vancouver mit Gold und zweimal Silber die ersten Olympiamedaillen der Beckerts. Mit Pedro, dem Jüngsten, trainiert Patrick täglich zusammen. In Südkorea soll er der Familiendynastie nun noch weitere Medaillen hinzufügen.

An Selbstbewusstsein mangelt es nicht. Beckert zählt sich selbst zu den Favoriten, sieht man einmal von „ewig Oranje“ um Seriensieger Sven Kramer ab. Und der Saisonverlauf spricht ja auch für ihn. Zwei Podestplätze hat der Langstrecken-Spezialist schon im Weltcup errungen. Beide Male, in Calgary und Salt Lake City im Dezember, lief er deutschen Rekord. Herausragend waren seine 6:07,02 Minuten über die 5000 Meter – „auf diese Zeit bin ich mega stolz“, sagt Beckert.

Hauptsache, Rhythmus und Technik stimmen

Zeit hat er sich zuletzt auch noch einmal für sich genommen. Auf die EM im russischen Kolomna hat Beckert verzichtet. Er wollte pausieren, sich sammeln, die letzten Kräfte mobilisieren. Volle Konzentration, auf dass die dritten Spiele die besten werden. 2010 in Vancouver lief Beckert auf Platz 22, vor vier Jahren in Sotschi wurde er Sechster und Achter. Am 11. Februar über die 5000 und am 15. über die 10 000 Meter muss es mehr sein. Die Halle kennt Beckert bereits aus guter Erinnerung: Auf dem olympischen Eis von Gangneung gewann er bei der Weltmeisterschaft 2017 Bronze.

Zuvor aber ist noch der Weltcup in Erfurt. Es ist seine Heimstrecke. Und viele werden da sein, die er kennt. Beim Veranstalter hoffen sie auf 4000 Schaulustige in den drei Tagen. „Eine schöne Motivation“, sagt Beckert. Auch Bruder Pedro wird mit ihm laufen. An diesem Samstag gibt es den letzten Formtest vor Pyeongchang über die 5000 Meter. Wobei: Das mit der Form, das nimmt er nicht so genau. „Hauptsache, Rhythmus und Technik stimmen. Die Platzierung ist erstmal nicht so entscheidend“, sagt Patrick Beckert. Die Richtung ist ihm im Oval ja vorgegeben. Es kann nur nach vorne gehen.

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