Wednesday, 21st August 2019
21 August 2019

Impey siegt, Alaphilippe wird gefeiert

Daryl Impey gewann die neunte Etappe der Tour de France. Am französischen Nationalfeiertag wurde aber vor allem Julian Alaphilippe gefeiert.

Spitzenreiter. Julian Alaphilippe fuhr auch am Nationalfeiertag in Gelb.

Die Hauptattraktion ließ 16 Minuten auf sich warten. Mehr als eine Viertelstunde nach dem Tagessieger Daryl Impey, der mit einer zeitweise fünfzehnköpfigen Ausreißergruppe dem Peloton auf der neunten Etappe der Tour de France keine Chance ließ, fuhr Julian Alaphilippe am französischen Nationalfeiertag im Gelben Trikot in Brioude ins Ziel ein. Der 27-Jährige machte einen entspannten Eindruck. Die Etappe verbrachte er unaufgeregt im Peloton, zu schnell war offensichtlich, dass ihm kein Fahrer im Gesamtklassement gefährlich werden könnte. „Mein Team hat die Ausreißergruppe gut kontrolliert, wir hatten gar kein Risiko. Morgen wollen wir das Trikot verteidigen. Ich denke Tag für Tag.“ Im Ziel gab es Küsschen für die Familie. Mit einem breiten Lächeln rollte Alaphilippe anschließend Richtung Siegerehrung, gefeiert von den zahlreichen französischen Radsport-Fans. Die mussten schließlich bis ins Jahr 2014 zurückblättern, um einen Landsmann am Nationalfeiertag in Gelb zu finden; es war Tony Gallopin. Auf dem Weg zum Podium begegnete er auch seinem Vater. „Wir sehen uns nicht mehr so oft, seit ich Profi bin. Umso schöner war es, ihn hier zusehen“, sagte Alaphilippe.

Bereits im Startbereich in Saint-Étienne herrschte am Sonntagmittag prima Stimmung. Denn schon am Vorabend hatte Julian Alaphilippe sich das Gelbe Trikot zurückgeholt, das er sich auf der dritten Etappe schon einmal geholt – und dann beim sechsten Tagesabschnitt wieder verloren hatte.

„Ich war gar nicht so traurig darüber. Ich hatte alles gegeben und der Rückstand danach war nur gering“, sagte Alaphilippe. „Jetzt ist es phantastisch, es am Nationalfeiertag zu tragen. Ich werde das niemals vergessen.“
Nur Landsmann Thibaut Pinot konnte Alaphilippe am Samstag folgen. „Es wissen eigentlich alle, wo Julian antreten wird, nicht nur wir im Begleitauto. Aber obwohl es alle wissen, kommt selten jemand hinterher“, sagt Davide Bramati, Sportlicher Leiter bei Deceuninck Quickstep. „Julian hat einfach diese Explosivität, die es den anderen unmöglich macht, an ihm dran zu bleiben“, ergänzt Bramati.

Alaphilippe verpulvert seine Kraft nicht mehr wie 2016. Da fuhr er bei der Tour fast 200 Kilometer mit Tony Martin vor dem Feld – und wurde eingefangen. „Er weiß jetzt besser, wo sich Attacken lohnen“, sagt Bramati. Martin schätzt Alaphilippe als „feinen Kerl“ ein, „ein wenig verspielt sogar, und man merkte schon damals, welches Talent er hat.“

Es gibt auch Kritik

Hobby-Schlagzeuger Alaphilippe hat dieses so entwickelt, dass er derzeit der erfolgreichste Profi der Welt ist. Er führt die UCI-Weltrangliste an, gewann Klassiker wie Mailand – Sanremo und den Wallonischen Pfeil.
Auch ein Brite lobt den Spitzenreiter: „Er hat das Gespür für den richtigen Moment und die Stärke, das gesamte Peloton zehn bis 15 Kilometer in Schach zu halten. Er ist der Beste der Welt, wenn es um solche Situationen geht“, schwärmt David Brailsford. Der Teamchef von Ineos ist ehrlich genug zuzugeben, dass ein Mann von der Güte des Franzosen sich in seinem Team nicht so entfalten könnte: „Wir fahren auf das Klassement, Deceuninck Quick Step aber ist auf Etappen ausgerichtet. Das gibt Alaphilippe mehr Freiheiten.“ Es sind auch das Team und dessen Zielstellungen, die einen Fahrer formen. Alaphilippe und seine Mannschaft – das passt einfach.
Aber es gibt auch Kritik. Der Däne Jakob Fuglsang beschuldigte Alaphilippe, am Samstag den Windschatten eines Motorrads ausgenutzt zu haben. „Na klar, wir haben einen ganz großen Motor eingebaut“, entgegnete Alaphilippe erst spöttisch, bevor er das als „Blödsinn“ abtat. Und dass mit dem Spanier José Ibarguren Taus ein Arzt ganz offiziell das Team betreut, der in der Vergangenheit in so manche Dopingaffäre verwickelt war, ist unschön. Vom Helden-Feiern hält das die Franzosen aber nicht ab. Auch wenn Alaphilippe nach der neunten Etappe voraussagte: „Nein, in Paris werde ich es sicher nicht tragen.“

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