Tuesday, 10th December 2019
10 Dezember 2019

Gericht ordnet Freilassung von Huawei-Finanzchefin an

Die Welt blickt weiter nach Vancouver, wo eine Huawei-Managerin um ihre Freilassung aus der U-Haft kämpfte.

Meng Wanzhou (46), die Finanzchefin des chinesischen Kommunikationsgiganten Huawei, war am 1. Dezember beim Transit aufgrund eines US-Haftbefehls am Flughafen der Kanada-Metropole festgenommen worden.

Jetzt entschied ein Richter im B.C. Supreme Court: Die Managerin wird gegen eine Kaution von zehn Millionen kanadischen Dollar (6,5 Mio. Euro) aus der Untersuchungshaft freigelassen – während die Kanada-Justiz über den Auslieferungsantrag der Vereinigten Staaten entscheidet.

Weitere Bedingungen: Meng müsse in einem ihrer beiden Häuser in der Stadt wohnen und ihre Reisepässe abgeben. Sie dürfe sich nur in einer zuvor definierten Zone bewegen und müsse zwischen 23 Uhr und 6 Uhr zu Hause bleiben.

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Die Sicherheitsfirma „Lions Gate Risk Management Group“ stellt dazu zwölf ehemalige Polizisten und Militär-Veteranen für eine Rund-um-die-Uhr-Bewachung ab. Über eine elektronische Fußfessel wird ihr Aufenthaltsort lückenlos überwacht.

Meng sah nach den Worten von Richter William Ehrcke erleichtert aus, im Gerichtssaal gab es Applaus. Die USA müssten jetzt binnen 60 Tagen einen offiziellen Auslieferungsantrag stellen.

Der Zugriff hatte zu einer Wutwelle in China geführt: Meng gilt dort als eine der berühmtesten Geschäftsfrauen, ihr Ruf wurde mit Facebooks Nr. 2, Sheryl Sandberg (49), in den USA verglichen. Zwischen Peking und Washington herrscht seither Eiszeit, es spukt an den Börsen.

Vorwürfe gegen Meng Wanzhou

Ein Bundesgericht in Brooklyn (New York) wirft der Star-Managerin vor, US-Banken belogen zu haben bezüglich früherer, illegaler Iran-Geschäfte des Hongkonger Unternehmens Skycom. Sie hätte angeblich fälschlicherweise behauptet, Skycom hätte als eigenständige Firma unabhängig von Huawei agiert – in Wahrheit jedoch handelte es sich um eine Tochterfirma.

Am 22. August stellte ein New Yorker Richter einen internationalen Haftbefehl aus. Mehr als zehn Tage lang saß sie im Knast Alouette Correctional Centre for Women.
Meng hatte vor der angeordneten Freilassung gegen Kaution dem Gericht versichert, dass sie keine Fluchtversuche unternehmen werde: „Ich arbeite seit 25 Jahren hart. Wenn ich entlassen werden sollte, ist mein einziges einfaches Ziel, mit meinem Mann und meiner Tochter zusammen zu sein. Ich habe seit Jahren keinen Roman mehr gelesen“, sagte sie.

Staatsanwalt John Gibb-Carsley hatte bei der dreitägigen Anhörung verlangt, dass Meng wegen der großen Fluchtgefahr in U-Haft bleiben – oder wenigstens unter Hausarrest gestellt werden sollte.

Ihr Ehemann, „Venture Capital“-Investor Liu Xiaozong (43), saß an den Verhandlungstagen meist in der Zuschauer-Gallerie, er sagte auch selbst aus. Meng trug einen grünen Sweater aus der Haftanstalt. Sie wirkte meist gefasst, lächelte mitunter verlegen.

Das Gerichtsdrama bot auch Einblicke in das Privat- und Luxusleben der bisher so öffentlichkeitsscheuen Star-Managerin:

▶ Die Tochter des legendären Huawei-Gründers Ren Zhengfei (74) besitzt in Vancouver gemeinsam mit ihrem Gatten zwei Prachtimmobilien, eine im Wert von 3,7 Millionen Euro, die zweite 10,7 Millionen Euro.

▶ Meng hat vier Kinder: Mit ihrem neuen Mann zieht sie eine kleine Tochter groß, drei Söhne stammen aus einer früheren Ehe.

▶ 2011 musste sie wegen Schilddrüsenkrebs operiert werden. Ihre Anwälte führten in einer 55 Seiten langen Eingabe aus, dass sie an Bluthochdruck und Schlafapnoe-Syndrom leidet. Nach ihrer Festnahe musste sie wegen Hypertonie behandelt werden.

▶ Meng hatte vorübergehend eine Art „Green Card“ (permanente Aufenthaltsbewilligung) in Kanada, die ihr aber entzogen wurde. US-Offizielle behaupten, dass die mächtige Geschäftsfrau in den letzten elf Jahren sieben verschiedene Reisepässe besessen haben soll.

Wie reich Meng selbst ist, bleibt unklar, doch „Forbes“ schätzt das Vermögen ihres Vaters auf 3,2 Milliarden Dollar (2,8 Mrd. Euro).

Die Jagd nach der Huawei-Managerin

Bei dem Verfahren wurden auch dramatische Details über die Jagd der Amerikaner auf die Huawei-Managerin bekannt, berichtet CNN: Seit Sommer lauerten die Marshalls, doch Meng mied den nordamerikanischen Kontinent. Ende November jedoch witterten sie eine Chance zum Zugriff: Meng sollte sich nach einem Cathay-Pacific-Flug aus Hongkong am 1. 12. zwölf Stunden lang im Transit aufhalten – vor einer geplanten Weiterreise nach Mexiko.

US-Offizielle suchten in Kanada um ihre Verhaftung an. „Ohne des Zugriffs würde es extrem schwierig werden, die Strafverfolgung in den USA durchzuführen“, hieß es in dem Antrag.

Laut bisher bekanntgewordenen Details drohen Meng aufgrund der Anklage des „Eastern District of New York“ wegen „Betrugs in Millionenhöhe“ bis zu 30 Jahre Haft.

Die Huawei-Tochterfirma Skycom habe Iran-Sanktionen umgangen und US-Computer-Equipment an eine iranische Telekom-Firma verkauft, so die US-Justiz. Über die Bank HSBC alleine liefen Geldtransfers von mehr als 100 Millionen Dollar.

Meng hingegen habe so getan, als hätte Huawei nichts zu tun mit den Embargo-Brechern.

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