Tuesday, 17th September 2019
17 September 2019

Daimler-Boss Zetsche übergibt das Steuer

Chefwechsel besiegelt – Schwede übernimmt

Letzter Arbeitstag für Deutschlands bekanntesten Auto-Manager:

Daimler-Chef Dieter Zetsche (66) hat zu seinem Abschied noch einmal die Notwendigkeit eines umfassenden Sparprogramms bei dem Autobauer betont.

▶︎„Alles steht auf dem Prüfstand: fixe und variable Kosten, Sach- und Personalkosten, Investitionsvorhaben, die Wertschöpfungstiefe und die Produktpalette“, sagte Zetsche am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Berlin. Daimler sei stark genug, um im Umbruch der Autoindustrie eine führende Rolle zu spielen.

Diese Botschaft gab der scheidende Vorstandschef Dieter Zetsche seinem Nachfolger Ola Källenius in Berlin mit auf den Weg.

Der 49-jährige Schwede übernimmt die Führung des 130-jährigen Konzerns mit Ablauf des Aktionärstreffens am Mittwoch in Berlin.

„Dazu haben wir den größten Wandel unserer Geschichte eingeleitet“, sagte Zetsche auf der Hauptversammlung, zu der rund 6000 Aktionäre erwartetet werden. Sie sollen einen kostspieligen Konzernumbau in eine Holding und drei rechtlich selbstständige Aktiengesellschaften absegnen.

Retirement is when you can leave your past behind and embrace your future. 😉#BMW #Mercedes #Zetschehttps://t.co/S0njE4CNfp pic.twitter.com/wK1sLm2gS8

— BMW (@BMW) May 22, 2019

Daimler baut gerade radikal um! Die Details zum Kostensenkungsprogramm werden vom neuen Daimler-Chef Källenius ausgearbeitet.

Der Manager, seit über 25 Jahren im Unternehmen, tritt in große Fußstapfen. Zetsche sei ein Ausnahmemanager, sagte Aufsichtsratschef Manfred Bischoff. „Er hat Daimler erfolgreich auch durch schwieriges Terrain zurück an die Spitze geführt.“ So eroberte Mercedes-Benz 2016 die Krone des weltweit größtes Premium-Autobauers vom Rivalen BMW zurück.

Unter Källenius soll Daimler mit dem Sparprogramm den Profit wieder steigern. Nach nur sechs bis acht Prozent Umsatzrendite in diesem Jahr soll bis 2021 im Pkw-Geschäft wieder eine Marge von acht bis zehn Prozent erreicht werden. Ob das gelingt, kann Zetsche in zwei Jahren, wenn er nach einer Abkühlphase als Aufsichtsratschef zurückkehren will, selbst überwachen. Für 2019 geht Daimler nach wie vor davon aus, trotz Handelsstreit und Konjunkturabschwung, Dieselrückrufkosten und Produktionsproblemen Absatz, Umsatz und operatives Ergebnis leicht zu steigern. Dabei setzt der Autobauer auf eine Wende im Pkw-Geschäft im zweiten Halbjahr.

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Zetsche hat sein ganzes Berufsleben bei Daimler verbracht, „schafft“ seit 1976 für den Stuttgarter Konzern – zunächst in der Entwicklungsabteilung. Ende der 80er Jahre ging er in verschiedenen Führungspositionen nach Brasilien, Argentinien und die USA, 1992 kehrte er als Entwicklungschef zur Kernmarke Mercedes zurück.

Sein Stern stieg unaufhaltsam, trotz einiger Herausforderungen. Als Vertriebschef musste er 1997 das sogenannte Elchtest-Debakel meistern. Der neue Kleinwagen, die A-Klasse, war bei einem Ausweichtest in Schweden umgekippt, die Mercedes-Ingenieure mussten kräftig nachbessern. Den anfänglichen Schwierigkeiten zum Trotz ist die A-Klasse heute eine der wichtigsten Säulen der Marke.

Schwierigkeiten bereitete auch die „Hochzeit im Himmel“: 1998 hatte Daimler den US-Autobauer Chrysler geschluckt. Doch nachdem Chrysler immer mehr an Marktanteilen verlor, schickte Zetsches Vorgänger Jürgen Schrempp ihn als Sanierer in die Chrysler-Zentrale nach Auburn Hills in Michigan.

Legendär wurde seine Werbekampagne, in der Zetsche in Fernsehspots als „Dr. Z.“ auftrat und auf ironische Art die Autos anpries. Doch es half nichts: Trotz schmerzhafter Einschnitte schrieb das Unternehmen vor allem wegen der asiatischen Konkurrenz und Rabattschlachten auf dem US-Markt schlechte Zahlen.

Nach dem überraschenden Rücktritt Schrempps stieg Zetsche 2006 zum Chef des Gesamtkonzerns auf. Ein gutes Jahr später verkaufte er Chrysler unter großem Wert- und Imageverlust. Zetsche führte die Rückbesinnung auf die Kernmarke fort, indem er auch die Anteile am Rüstungskonzern und Airbus-Vorgänger EADS abstieß.

Für Mercedes selbst ging es unter Zetsche bergauf – die Autoabsätze verdoppelten sich von 1,2 Millionen Autos im Jahr 2006 auf 2,4 Millionen Autos 2018.

Während dieser Zeit stellte Zetsche wichtige Weichen für die Zukunft des Konzerns. Nach der Weltwirtschaftskrise von 2009 investierte er massiv in China. Auf dem wichtigsten Automarkt der Welt war Daimler ein Spätzünder – mittlerweile ist die Volksrepublik aber auch für die Stuttgarter die wichtigste Absatzregion.

Zudem stieg 2018 der Inhaber des chinesischen Autokonzerns Geely, Li Shufu, als Großaktionär bei Daimler ein. Wie die Unternehmen kürzlich verkündeten, wird Geely künftig die Produktion des „Bonsai-Benz“ Smart übernehmen.

Außerdem leitete Zetsche beim einstigen Erfinder des Automobils den Übergang vom Verbrenner zum Elektroantrieb ein. Schließlich gründete Daimler den Carsharing-Anbieter Car2Go, der mittlerweile in einem Gemeinschaftsunternehmen mit BMW aufgegangen ist. Gemeinsam mit dem ehemaligen Rivalen forscht Daimler nun auch am autonomen Fahren. Und ganz nebenbei machte Zetsche auch noch den Look in Jeans, Sneakers und ohne Krawatte für Spitzenmanager zum neuen Modetrend.

Zetsches Amtszeit war aber auch von zahlreichen Skandalen geprägt – der Schmiergeld-Affäre sowie Kartellvorwürfen um Lkw und Autos, die den Konzern hunderte Millionen Euro Strafen gekostet haben.

Besonders schmerzhaft ist Daimlers Verwicklung im Dieselskandal. Zetsche hatte immer betont, dass die Stuttgarter im Gegensatz zu Volkswagen keine illegalen Abgasmanipulationen begangen hätten. Dennoch musste der Konzern bereits mehr als 700 000 Autos zurückrufen. Der juristische Streit um die Abgastricks ist Zetsches vergiftetes Erbe.

Den Ruhestand will der Vater dreier erwachsener Kinder nicht lange genießen – obwohl er ihm dank üppiger Pensionsansprüche mit rund 4200 Euro Ruhegeld am Tag versüßt wird. Schon am Tag nach der Hauptversammlung soll der Aufsichtsrat des Reisekonzerns TUI laut Medienberichten das einfache Mitglied Zetsche zum neuen Aufsichtsrat wählen.

Und nach einer zweijährigen Abkühlphase will Zetsche wieder als Aufsichtsrat bei Daimler einsteigen.

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