Wednesday, 21st October 2020
21 Oktober 2020

Macht Ryanair am Flughafen Hahn den Abflug?

Wird sich die Airline Ryanair schon im kommenden Jahr komplett vom Flughafen Hahn zurückziehen? Zu entsprechenden Informationen dieser Zeitung will sich das Unternehmen nicht äußern.

MAINZ/HAHN – Es sind keine guten Zeiten für den Flughafen Hahn. Die Streiks bei Ryanair haben ihre Spuren hinterlassen, die September-Zahlen bei den Passagieren sind schlecht. Doch die eigentlichen drohenden Gewitterwolken sind noch gar nicht in Rheinland-Pfalz eingetroffen. Wie in höchsten Managementkreisen von Ryanair mit Sitz in Dublin zu hören ist, plant die Airline konkret, sich komplett vom Flughafen Hahn zu verabschieden. Und zwar zum Sommerflugplan 2019, der im April beginnt. Am Montag war weder von Ryanair noch vom Hahn eine Auskunft zu erhalten.

Zahlen für September am Hahn sind nicht gut

Ryanair hatte am Hunsrück-Airport peu a peu ausgedünnt. Das war im vergangenen Sommerflugplan der Fall, auch im aktuellen Winterflugplan wurden Flüge gestrichen. Die Zahl der stationierten Jets sollte von fünf auf vier reduziert werden. Das schlägt sich in den Zahlen nieder. Laut der frisch herausgekommen September-Statistik des Flughafenverbands ADV ist die Zahl der Passagiere im September gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat um 21 Prozent gesunken. Die Zahl der Starts und Landungen lag mit 18,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Auch das Frachtaufkommen – das sich zuletzt eigentlich ganz gut entwickelt hatte – nahm um drei Prozent ab.

Ryanair ist mit Abstand der größte Kunde am Hahn. Ziehen die Iren ab, wäre dies das Aus für den Hunsrück-Flughafen. Als reiner Frachtflughafen könnte der Airport, da sind sich die Experten einig, nicht existieren. Kommt es zum Aus für den Hahn – oder wird nur weiter ausgedünnt? Ein Blick auf die Homepage zeigt: Einige Ryanair-Verbindungen können nur noch bis März gebucht werden, was durchaus auffällig ist – etwa nach Pisa und London. Bei anderen geht dies noch bis Oktober kommenden Jahres. Dies würde eher auf Ausdünnung hindeuten.

RASSISMUS

Ein rassistischer Vorfall in einem Ryanair-Flugzeug hat Europas größte Billig-Airline in Erklärungsnot gebracht. Ein Mann beschimpfte in einer Maschine eine 77-jährige Frau lautstark unter anderem als „hässlichen schwarzen Bastard“. Der pöbelnde Passagier wurde aber nicht aus dem Flugzeug auf dem Airport von Barcelona gewiesen. Stattdessen wurde das Opfer auf eigenen Wunsch umgesetzt. (dpa)


Früher kam man um den Hahn kaum herum, wollte man mit Ryanair reisen. Heute hat der Hunsrück harte Konkurrenz in Luxemburg, in Köln-Bonn und letztlich auch in Frankfurt. So dürfte gerade der Frankfurter Flughafen von einem Aus in Hahn profitieren. In Branchenkreisen heißt es, Ryanair verdiene in Frankfurt pro Sitzplatz deutlich mehr Geld. Zwar sind dort die Gebühren für den irischen Billigflieger höher. Allerdings sind die Kerosinkosten niedriger. Frankfurt habe für Ryanair glasklare Wettbewerbsvorteile gegenüber dem Hahn, heißt es.

Vor wenigen Wochen hatte Ryanair angekündigt, den Standort Bremen mit zwei stationierten Flugzeugen Anfang November zu schließen. Auch in Weeze, Nordrhein-Westfalen, sollten zwei von fünf stationierten Flugzeuge abgezogen werden. Die Ryanair-Basis in Eindhoven sollte ebenfalls im November dichtgemacht werden. Die Ankündigungen folgten in direkter Reaktion auf Streiks. Gewerkschaften hatten daraufhin von einem „Vergeltungsschlag“ des Managements gesprochen.

Am Montag verdüsterte sich der Himmel über Dublin weiter. So muss der Billigflieger den ersten Gewinnrückgang seit fünf Jahren hinnehmen, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete. Ursachen laut der Airline: Streiks, hohe Kerosinpreise, geringere Ticketpreise und Ersatzzahlungen wegen der EU-Fluggastrechte. Anfang Oktober hatte Ryanair bereits die Gewinnprognose für das laufende Jahr gesenkt.

Rheinland-Pfalz hatte Anteile an Chinesen verkauft

Die SPD-geführte Landesregierung in Mainz dürften die neuen Nachrichten kaum scheren: Rheinland-Pfalz hatte im vergangenen Jahr seine 82,5 Prozent der Anteile am Flughafen Hahn an die chinesische Gruppe HNA verkauft. 17,5 Prozent der Anteile am Hahn hält weiterhin das Land Hessen. Seit die Chinesen im Hunsrück am Ruder sind, wurden die Informationsschotten mehr oder minder dicht gemacht. So bleibt unklar, wie der Hahn weiteres Geschäft an Land ziehen will. Weil die hessische Landesregierung keine Informationen mehr vom Hahn erhalten hatte, hatte sie sogar mit Klage gedroht.

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