Thursday, 13th December 2018
13 Dezember 2018

Rote Liste vorgestellt: Eine von drei Wildpflanzen ist gefährdet

Idyll in der Uckermark: Das Bundesamt für Naturschutz sieht vielerorts den Bestand von Wildpflanzen als gefährdet an.


Für viele Menschen ist ein Spaziergang durch die Natur ein wichtiger Ausgleich zum stressigen Alltag. Doch der Anblick, der sich ihnen dabei bietet, hat sich in den vergangenen 20 Jahren gravierend verändert. Zahlreiche Wildpflanzenarten drohen zu verschwinden.

In Deutschland stehen fast ein Drittel der heimischen Wildpflanzen auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Das geht aus einem Bericht des Bundesamts für Naturschutz (BfN) hervor, der in Berlin vorgestellt wurde. Danach sind 30,8 Prozent von insgesamt 8650 Farn- und Blütenpflanzen, Moose und Algen in ihrem Bestand gefährdet.

In den vergangenen 20 Jahren habe sich damit der Zustand vieler Wildpflanzenarten in Deutschland gravierend verschlechtert, hieß es. Gezielte Natur- und Umweltschutzmaßnahmen führten aber auch zu Verbesserungen. Bei 18 Farn- und Blütenpflanzenarten konnte das BfN einen Zuwachs verzeichnen. Verantwortlich dafür seien Schutzmaßnahmen wie Ackerrandstreifen. Insgesamt bleibe die Lage deshalb unverändert, lautet das Fazits des Berichts.

Gegen den Artenschwund könnte vor allem eine naturverträgliche Landwirtschaft helfen. Gründe für Verschlechterungen sehen die Wissenschaftler in erster Linie in zu hohen Nährstoffbelastungen. Das liege vor allem an Überdüngung in der Landwirtschaft sowie an Schadstoffen in der Luft, etwa durch Autoabgase.

So lieben zum Beispiel Arnika, Wiesen-Küchenschelle, Ackerwildkräuter und das mittlerweile vom Aussterben bedrohte Flammen-Adonisröschen nährstoffarme Standorte. Dazu zählen auch Moore und Heiden. Bedrohte Pflanzen kommen dort aber immer seltener vor, weil im Boden zu viele Nährstoffe wie Stickstoff oder Phosphor vorkommen.

119 Pflanzenarten sind ausgestorben

Verbesserungen für die Pflanzen gab es laut dem Bericht, weil sich zum Beispiel die Luftqualität änderte: Weil Kraftwerke weniger Schwefel ausstoßen, geht es nachweislich Moosen besser, die auf Bäumen wachsen. Einigen Kieselalgen-Arten hilft es, dass Seen nicht mehr so saures Wasser bieten. Bei Farn- und Blütenpflanzen ließ sich ein Schrumpfen der Bestände in den Gebieten aufhalten, die Schutzäcker oder Ackerrandstreifen haben. Das gilt zum Beispiel für die Kornrade oder die Dicke Trespe, früher typische Begleitpflanzen in Getreidefeldern.

Solche gezielte Hilfsprogramme gelten jedoch nur als Tropfen auf dem heißen Stein. Um den Artenrückgang auf breiter Front aufzuhalten, müssten eine naturverträgliche Landwirtschaft gefördert und die Gewässer verbessert werden, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel. Nach Angaben der Behörde sind in den vergangenen 150 Jahren 119 Pflanzenarten in Deutschland ausgestorben oder nicht mehr zu finden. Ein Rückgang der Artenvielfalt wirke sich in einem Ökosystem negativ auf eine große Zahl anderer Organismen aus, heißt es im Bericht.

Für ihre neue Rote Liste berücksichtigten die Forscher Gefährdungseinstufungen von sechs Pflanzengruppen: Farn- und Blütenpflanzen (4305 Arten), Moose (1195 Arten), im Süßwasser vorkommende Braun- und Rotalgen (34 Arten), Schlauchalgen (45 Arten), Zieralgen (968 Arten) und limnische Kieselalgen (2103 Arten). Die Liste zählt Algen zu den Pflanzen.

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