Tuesday, 23rd July 2019
23 Juli 2019

Die heimliche Welt der Superreichen

Ungefähr 180 Milliardäre gibt es momentan in Deutschland. Tendenz steigend! Allerdings wissen wir kaum etwas über die Superreichen.

Das ARD-Format „Die Story im Ersten“ wagte am Montagabend in einer sehenswerten Dokumentation eine Annäherung an unsere Milliardäre. Das Thema: „Ganz oben – die diskrete Welt der Milliardäre“.

Die Identität der Superreichen

Jahr für Jahr versucht das „manager magazin“ zumindest etwas Licht ins Dunkel des scheuen deutschen Geld-Adels zu bringen – mit dem Ranking der ,1000 reichsten Deutschen‘.

Der langjährige Chefredakteur des Magazins, Steffen Klusmann (heute Spiegel-Chef) berichtet: „Die Top 150 sind wirklich Unternehmern und Erben vorbehalten. Als Chefarzt oder Manager ist es extrem schwer, so weit nach oben zu kommen. Wenn man unsere Managergehälter in Relation zu denen in China oder den USA sieht, sind die Pipifax.“

Klusmann bestätigt, dass viele der 180 deutschen Milliardäre lieber unerkannt bleiben wollen: „Es gibt von vielen in unserer Liste keine Fotos. Sie verstecken sich regelrecht, weil sie ein normales Leben haben wollen.“

Der Vermögensberater Christian von Bechtolsheim erklärt dies so: „Die Scheu liegt daran, dass sie Angst haben, negativ rüberzukommen. Dass sie sich fragen, was sie davon haben. Sie denken: Dann wird nur irgendein Verrückter auf mich aufmerksam und bricht bei mir ein oder entführt eines meiner Kinder. Solche Ängste sind ja auch nicht vollkommen unberechtigt.“

Die Beispiele der Superreichen

Immerhin: In der ARD-Doku trauen sich einige Superreiche offen vor die Kamera – sprechen über ihren Umgang mit Geld. Und den Vorwurf, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander gehen würde.

Einer dieser Milliardäre ist Michael Otto, der Aufsichtsratsvorsitzende der Otto-Gruppe (123 Firmen in 130 Ländern). Er begründet die öffentliche Zurückhaltung: „Viele haben die Befürchtung, dass da gleich eine Neid-Debatte entsteht. Anders als in den USA, wo Leistung und Vermögen unglaublich positiv gesehen werden.“

Otto betont allerdings auch: „Ich bin auch nicht reich geboren worden. Wir kamen als Flüchtlinge aus Westpreußen nach Hamburg. Und deswegen habe ich durchaus Verständnis für Leute, die in Armut leben.“ Seine offenen Worte: „Ich finde, dass man – wenn man Erfolg hat – der Gesellschaft auch etwas zurückgeben muss.“

Auch Unternehmer und Milliardär Dirk Roßmann (Drogerie Rossmann, 55 000 Mitarbeiter) spricht in der Dokumentation, sagt: „Es ist richtig: Die Reichen werden immer reicher. Aber es ist auch falsch. Wir haben in Deutschland 20 Millionen Bürger mit einem Vermögen zwischen 100 000 und einer Million Euro. Es werden also Millionen Menschen reicher.“

Gerade Roßmann lässt sich von den Doku-Machern eng begleiten: beim Aktien-Kauf, beim mittäglichen Ausruhen auf der Couch inklusive Fernseh-Zappen, beim Kontrollgang mit Sohn Raoul in einem Drogerie-Markt – und im Fußball-Stadion.

Die Macht der Superreichen

Ausgerechnet in den großen Arenen netzwerken viele Mega-Reiche. Journalist Klusmann: „Es gibt in der besseren Gesellschaft natürlich die typischen Hobbys: Pferderennen, Hockey, vielleicht ein bisschen Tennis. Man trifft sich aber in den Logen der großen Fußballstadien. Das ist ein Riesen-Thema. Das ist der Marketplace!“

Tatsächlich hat Roßmann in seiner Loge schon Jogi Löw, die Wulfs oder seinen Freund Gerhard Schröder zu Gast gehabt. Viele Normalverdiener fragen sich da: Mischen die Superreichen durch solche Einflüsse heimlich in der Politik mit?

„Dass es ein paar Superreiche gibt, die ständig bei Frau Merkel oder in den Ministerien anrufen und sagen, was zu passieren hat – so funktioniert das in Deutschland nicht“, behauptet Klusmann.

Allerdings: Viele – wie auch Unternehmer Michael Otto – steuern durch Stiftungen (Umwelt, Kultur, Soziales) ihren Einfluss in der Gesellschaft. So unterstützte Otto den Bau der Hamburger Elbphilharmonie über eine Stiftung mit einem Millionenbetrag.

  • Neue Oxfam-Studie

    26 Superreiche haben so viel wie die halbe Welt

    Das Vermögen der Superreichen mehrt sich täglich um 2,5 Milliarden Dollar. Die ärmere Hälfte der Welt verliert dagegen jeden Tag Geld.

Die Probleme der Superreichen

Doch es gibt auch Herausforderung für unsere Superreichen. Denn vor allem die vielen Unternehmerfamilien fragen sich: Wie sichert man das eigene Mega-Vermögen ab?

Während Roßmann seine Geschäfte an seinen jüngeren Sohn Raoul übergibt, haben sich Michael Ottos Kinder gegen eine direkte Nachfolge entschieden. Der Unternehmer: „Für meine Kinder ist das schwer. Ich kenne jedes einzelne unserer 123 Unternehmen, weil ich entweder bei der Gründung dabei war oder die Verhandlungen bei der Übernahme geführt habe.“

Immer wieder schwinden über solche Zukunftspläne einige deutsche Riesenvermögen. Berater Christian von Bechtolsheim: „Es über mehrere Generationen zu erhalten, ist irrsinnig schwierig. Denn es ist bedroht durch Erbteilungen, Erbauseinandersetzungen, durch Enteignungen, Kriege oder schlicht durch Verdummung.“

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