Monday, 21st January 2019
21 Januar 2019

Geld für Gold

Erfolg im Spitzensport kostet viel. Die Fördersummen sollten höher sein, findet auch Monoskifahrer Georg Kreiter. Er gehört in Korea zum Top Team.

Profisport als Nebenjob. Georg Kreiter fehlt bei der Arbeit etwa 70 Tage pro Wintersaison.

Bereits Monate vor den Paralympischen Spielen war der gelernte Mediengestalter fast täglich im Training: Als Georg Kreiter 2006 zum ersten Mal in einem Monoski saß, packte ihn der Ehrgeiz. Seitdem fasziniert ihn das Sportgerät. 2008 wurde er in das Deutsche Para Ski Alpin Team aufgenommen, 2010 dann in die Nationalmannschaft. Für die Paralympischen Winterspiele in diesem Jahr gilt er inzwischen als Medaillenhoffnung.
Damit hat er etwas geschafft, das nicht vielen gelingt: Seit 2017 ist er außerdem Mitglied des sogenannten Top Teams des Deutschen Behindertensportverbands. Er und fünf weitere Sportler sowie ein Begleitläufer wurden damit auf ihrem Weg nach Pyeongchang gefördert. „Fitnessstudio, Material, Fahrten“, zählt Skifahrer Kreiter Kosten auf, die auf die Sportler zukommen – und die sind hoch. Mit jeweils 500 Euro monatlich verringert die Förderung des Top Teams dabei den Eigenanteil, den die Sportler selbst aufbringen müssen. Dazu kommt eine mögliche berufsbezogene Unterstützung von bis zu 1000 Euro im Monat, damit die Arbeitszeiten von Athleten gekürzt werden, um ihnen mehr Trainingszeit zu geben. In Sotschi hat die Strategie 2014 bereits Erfolge gezeigt: Zwölf von insgesamt 15 Medaillen, die an das deutsche Team gingen, holten vier Athletinnen aus dem Top Team. Kreiter hat es bei den Paralympics 2014 immerhin auf den 8. Platz geschafft, in diesem Jahr könnte mehr drin sein.
Spitzensportler mit und ohne Behinderung beziehen finanzielle Förderungen aus verschiedenen Quellen: So wird das Top Team von der Deutschen Telekom, der Allianz und dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband möglich gemacht, aber auch das Bundesministerium für Inneres investiert in den Leistungssport. Dafür erntet es jedoch sehr unterschiedliche Kritik: Einige bemängeln, dass ein Sportler sich kaum allein durch die vom Innenministerium zur Verfügung gestellten Gelder finanzieren kann. Anderen wiederum erscheint die hochgerechnete Summe von insgesamt 169 Millionen Euro, die das Innenministerium 2017 in den Spitzensport steckte, als zu hoch, da sie das Geld lieber in andere Bereiche als in den Sport investieren würden.

Im Sport sind die Medaillen die Währung, die zählt
Die Gelder sollen den deutschen Teams zu internationalen Erfolgen verhelfen: Im Sport sind Medaillen die Währung, die zählt. In der Hoffnung, den Zusammenhang zwischen den Erfolgen deutscher Sportler und den Summen, die in sie investiert werden, messbar zu machen, begann 2017 eine Kommission der Universität Mainz, das Potential des Spitzensports zu analysieren und daraufhin neu festzulegen, wo genau investiert wird. Kritiker befürchten, dass diese Umstrukturierung zu einer gezielteren Förderung einzelner Talente führen wird, während Gelder für eine allgemeine Sportförderung abseits von Medaillenhoffnungen ausbleiben könnten. Sie finden, dass das in Sport investierte Geld nicht nur Medaillen bringen, sondern vor allem kulturelle und gesellschaftliche Werte vermitteln sollte.
„Gut ist an der jetzigen Lage, dass es überhaupt eine Förderung gibt“, sagt Georg Kreiter. Die berufsbezogene Förderung entlaste zwar den Arbeitgeber, eine komplette Freistellung sei über einen längeren Zeitraum dennoch nur selten möglich. Selbst ist er im familieneigenen Druckereibetrieb angestellt und kann seine Arbeitszeiten daher recht flexibel gestalten. 70 bis 80 Fehltage rechnet er in einer Wintersaison für Trainings und Rennen. „Mit einer höheren Fördersumme könnten die Sportler jedoch noch besser und individueller trainieren und müssten zur Vorbereitung wichtiger Jahre und Wettkämpfe nicht nebenbei arbeiten.“

Marie Menke ist 20 Jahre alt und Nachwuchsreporterin der Paralympics Zeitung.

By:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.