Tuesday, 17th September 2019
17 September 2019

Der Guru macht’s möglich

Sifan Hassan stellt in Monaco eine neue Bestmarke auf. Ihr Trainer ist in der Szene umstritten.

Sifan Hassan jubelt über ihren Weltrekord.

Es ist erst ein paar Monate her, da blies Sifan Hassan auf den Straßen von Berlin der Wind etwas zu doll ins Gesicht. Doch die 26-Jährige kümmerte das nicht. Sie lief trotzdem einen Berliner Streckenrekord über die Halbmarathondistanz von 21,0975 Kilometer in 65:45 Minuten. Richtig glücklich war die Frau anschließend aber nicht. Sie hatte schließlich den Weltrekord verpasst. Darunter will es die gebürtige Äthiopierin nicht machen, die Ansprüche sind hoch.

Von daher war sie am Freitagabend umso glücklicher. Bei der IAAF Diamond League in Monaco lief sie über die Meile (1609,3 Meter) in 4:12,33 Minuten durchs Ziel – und brach den Weltrekord aus dem 1996. Hassans Schlussspurt war überwältigend, vor allem für die Konkurrentinnen. Sie lief mit fast 20 Metern Vorsprung durchs Ziel. Den Blumenstrauß, den sie unmittelbar nach dem Zieleinlauf in die Hand gedrückt bekommen hatte, schmiss sie vor lauter Freude direkt auf die Zuschauerränge. Dort befand sich auch Fürst Albert von Monaco, der sich mit seinen Kumpels abklatschte. Ein Weltrekord im eigenen Stadion ist immer noch eine große Sache für den sportbegeisterten Fürsten. Dass dieser von Hassan aufgestellt wurde, war dabei nicht die große Überraschung.

Die für die Niederlande antretende Hassan ist derzeit die erstaunlichste Läuferin in der Leichtathletik, eine Ausnahmeerscheinung. Die Frau verfügt über die Gabe, Top-Zeiten über alle Strecken zwischen 800 Meter und dem Halbmarathon zu laufen. Das sind im Grunde mehrere Disziplinen, in denen sie sich auf höchstem Niveau befindet.

Aktuell hält sie neben dem Meilen-Weltrekord den Europarekord im Halbmarathon sowie den Europarekord über die 5000 und die 3000 Meter. Anhand dieser Rekorde hat der in der Leichtathletik überstrapazierte Begriff von der Wunderläuferin durchaus seine Berechtigung.

Doch wo in der Leichtathletik vom Wunder gesprochen wurde, war manches Mal das Doping nicht fern. Hassan wurde noch nie ein Betrug nachgewiesen. Um ihren Trainer aber, den früheren Langstreckenläufer Alberto Salazar, gibt es schon lange Gerüchte. Salazar soll sich mit seinen Methoden in einem Grenzbereich befinden. Er soll hoch dosierte Fettverbrenner verabreichen, und eine Läuferin beschuldigte ihn, sie zur Einnahme des Schilddrüsenhormons Thyroxin gedrängt zu haben.

Alles probieren, was gerade noch erlaubt

Diese Mittel stehen nicht auf der Dopingliste, aber das könnte sich bald ändern. Salazar jedenfalls gilt als Tüftler, er probiert alles aus, was gerade noch erlaubt ist. Die Wunderläuferin Sifan Hassan jedenfalls hat seit ihrer Zusammenarbeit mit dem Trainer-Guru nochmals einen Schub bekommen.

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