Wednesday, 21st October 2020
21 Oktober 2020

Bei Hertha BSC wackelt der DJ

Neben Dennis Jastrzembski gibt es vier, fünf weitere Streichkandidaten im Hertha-Kader. Einer von ihnen macht in Neuruppin Werbung in eigener Sache.

In Ungnade gefallen. Dennis Jastrzembski steht bei Hertha BSC vor dem Absprung.

Vorbereitungsspiele sind – wie der Name schon sagt – immer auch eine Art Probelauf für das, was womöglich noch kommt im Verlauf einer Saison. Die Erwartungshaltung ist prinzipiell überschaubar, Fehler dürfen sehr wohl passieren, da drückt der Trainer gern mal ein Auge zu. Wer allerdings am Sonntag, im ersten Test von Hertha BSC gegen Eintracht Braunschweig, nach wirklich sinnfreien Aktionen Ausschau hielt, der landete ganz schnell bei: Dennis Jastrzembski.

Herthas junger Flügelspieler ließ sich gegen den Drittligisten auf Höhe der Mittellinie zu einem überharten Foul hinreißen, das kein Mensch brauchte. Die Grätsche erzürnte auch Jastrzembskis Gegenspieler, der ihm eindeutig zu verstehen gab: Noch so ein Ding – und es gibt ein zünftiges Revanchefoul. Immerhin entschuldigte sich der 19-Jährige brav und trottete anschließend von dannen. Ganz offensichtlich hatte sich bei Jastrzembski reichlich Frust angestaut.

Wer wollte es ihm auch verdenken? Für den Linksfuß aus der Hertha-Akademie hat sich kürzlich gewissermaßen ein Kreis geschlossen – in negativer Hinsicht. Vor einem Jahr, in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Braunschweig, wurde Jastrzembski kurz vor Schluss eingewechselt und legte Vedad Ibisevic wenig später das siegbringende 2:1 auf. Überhaupt zählte der junge Mann, den intern alle nur „DJ“ rufen, im Sommer 2018 zu den großen Gewinnern der Vorbereitung. Zwölf Monate später ist Jastrzembski bislang weit davon entfernt, Druck auf die etablierten Spieler aufzubauen. Gegen die Eintracht zählte er den Unauffälligsten im Berliner Kader. Ihm wollte einfach nichts gelingen.

Für seine Schwächephase hätte sich Jastrzembski kaum einen ungünstigeren Zeitpunkt aussuchen können. Genau wie einige seiner Kollegen spielt und trainiert er im Moment um seine Zukunft bei Hertha BSC. Der Bundesligist aus dem Berliner Westen ist auf dem Transfermarkt zwar nicht ansatzweise so aktiv gewesen wie der neuerliche Mitbewerber aus Köpenick. Trotzdem ist es ein offenes Geheimnis, dass Coach Ante Covic den Kader noch einmal wird ausdünnen müssen, mit dem er seit nunmehr sechs Tagen im brandenburgischen Neuruppin trainiert.

Dardai und Covic sollen weiterhin verliehen werden

Neben Jastrzembski gibt es noch vier, fünf andere Wackelkandidaten im Aufgebot. Dass die Söhne des ehemaligen und des neuen Cheftrainers, namentlich Palko Dardai und Maurice Covic, für einen gewissen Zeitraum an andere Klubs ausgeliehen werden sollen, hat Hertha bereits offensiv kommuniziert – bislang ohne Erfolg. Selbiges gilt dem Vernehmen nach für Alexander Esswein: Wenn sich ein Interessent für den 29-Jährigen findet, wäre Hertha wohl alles andere als abgeneigt ihn abzugeben. Fraglich scheint zudem die Zukunft von Muhammad Kiprit in der ersten Mannschaft.

Dass die Erwartungen an die Talente gestiegen sind, hat sich längst auch in der Mannschaft herumgesprochen. „Vor allem die Jungen müssen sich entwickeln, wenn sie sich bei Hertha durchsetzen wollen“, sagt Vedad Ibisevic. Der Einstieg des Investors Lars Windhorst sorge noch einmal für einen Motivationsschub, glaubt der Kapitän. Teile des frischen Geldes – immerhin 125 Millionen Euro – sollen bekanntlich in die Verstärkung des Kaders fließen. Im Moment fahnden die Berliner nach Kandidaten, die auf dem rechten Flügel Valentino Lazaro ersetzen könnten.

Werbung in eigener Sache machte diesbezüglich Maurice Covic, der beim 4:1 gegen Braunschweig das erste Hertha-Tor der Saison 2019/20 erzielte. „Er hat sich das verdient, weil er in der Woche wirklich ordentlich trainiert hat“, sagte Vater und Cheftrainer Ante Covic. „Aber wir dürfen eines nicht vergessen: es war ein Freundschaftsspiel“, ergänzte er, „wir haben noch immer null Punkte auf dem Konto und müssen dran bleiben. Das gilt für jeden einzelnen.“

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