Wednesday, 20th March 2019
20 März 2019

Streik statt Unterricht

Tausende Schüler haben sich in Hessen bei „Fridays for Future“ an Demonstrationen für einen radikalen Klimawandel beteiligt. Verbotenerweise in der Schulzeit.

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FRANKFURT – Am internationalen Protesttag der Bewegung „Fridays for Future“ haben hessenweit Tausende Schüler für einen radikalen Wandel in der Klimapolitik demonstriert. In Frankfurt gingen am Freitag nach Schätzungen der Polizei etwa 5000 Jugendliche auf die Straße. Mehrere hundert von ihnen blockierten in der Nähe des Hauptbahnhofs eine Kreuzung und legten damit kurzzeitig den Auto- und Straßenbahnverkehr lahm. Eine zweite Demonstration zog quer durch die Innenstadt zum Römerberg. Der Landesschülerrat hatte mit bis zu 10 000 Teilnehmern gerechnet.

In Darmstadt sprach die Polizei von 1800 Demonstranten. In Wiesbaden waren es etwa 700 Schüler. In Mittelhessen protestierten etwa 2500 junge Menschen. Polizeiangaben zufolge zogen allein 1200 Teilnehmer durch Gießen. In Marburg zogen gleich drei Demonstrationszüge durch die Innenstadt, an denen sich insgesamt etwa 900 Menschen beteiligten. Auch in Kassel, Friedberg, Wetzlar und Fulda protestierten Schüler. Die Schulämter hatten am Donnerstag darauf hingewiesen, dass teilnehmende Schüler mit Konsequenzen rechnen müssten. Das Demonstrieren während der Unterrichtszeit sei als unentschuldigtes Fehlen zu bewerten.

Unterstützung bekamen die Schüler unter anderem von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Landtagsfraktionen. Den Teilnehmern der Demonstrationen mit Sanktionen zu drohen, sei falsch, sagte SPD-Landes- und Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel. Die Schüler schwänzten nicht die Schule, sondern sie demonstrierten für ein sehr berechtigtes Anliegen.

Es sei großartig zu sehen, wie eine ganze Generation von Schülern für ihre Zukunft auf die Straße gehe und sich nicht mit Lippenbekenntnissen zum Klimaschutz abspeisen lasse, erklärte die Grünen-Abgeordnete Martina Feldmayer.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion, Elisabeth Kula, forderte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) und die Schulleitungen auf, von Sanktionen gegen beteiligte Schüler abzusehen. Der Forderungskatalog von „Fridays for Future“ markiere notwendige Eckpunkte für den Klimaschutz, meinte Kula.

Die GEW Hessen begrüßte das Engagement der Schüler für den Schutz des Klimas. Das zeige, dass die heutige Generation der Schüler alles andere als politikverdrossen oder bequem sei, sagte die GEW-Landesvorsitzende Maike Wiedwald.

Die Junge Union (JU) Hessen begrüßte das Engagement junger Menschen für ihre Umwelt und ihre Zukunft. Die Aktionen müssten aber außerhalb der Unterrichtszeit stattfinden, sagte Landesvize Sebastian Sommer. Die Lehrkräfte seien in der Pflicht, das Schulschwänzen entsprechend zu ahnden. Sommer kritisierte, dass die JU von den Organisatoren einer Podiumsdiskussion am Rande der Demonstration in Frankfurt entgegen der ursprünglichen Zusage wieder ausgeladen worden sei. Das offenbare ein fragwürdiges Demokratieverständnis.

Ministerium rät den Schulen zur Gelassenheit

Das Kultusministerium hatte mehrfach darauf hingewiesen, dass das Engagement der Schüler für den Klimaschutz nicht das Fernbleiben vom Unterricht rechtfertige. Die Teilnahme während der Schulzeit sei ein kalkulierter Regelverstoß, dessen Konsequenzen auch zu tragen seien, sagte Kultusminister Lorz. Gleichzeitig hatte er für Gelassenheit plädiert. Er vertraue auf die pädagogische Erfahrung der Schulleitungen und Lehrkräfte, mit Fingerspitzengefühl zu reagieren. Die Schüler müssten nicht sofort mit der ganzen Härte aller Sanktionen rechnen.

Seit Monaten gehen weltweit jeden Freitag Schüler während der Schulzeit für den Klimaschutz auf die Straße. Das Vorbild der Jugendlichen ist die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg.

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