Wednesday, 21st October 2020
21 Oktober 2020

„Ein Bündnis mit der AfD ist ausgeschlossen“

Der neue CDU-Generalsekretär Christoph Gensch sagt, seine Partei müsse sich auf ihren Markenkern konzentrieren: Heimat, Sicherheit, Rechtsstaat. Wir sprachen mit dem 39-Jährigen.

LAHNSTEIN – Er ist 39 Jahre alt, Arzt aus der Westpfalz und Landtagsabgeordneter. Am Wochenende wählte die rheinland-pfälzische CDU Christoph Gensch mit 92 Prozent zum neuen Generalsekretär. Wir sprachen mit ihm.

Herr Gensch, normalerweise schneiden die Generalsekretäre bei Wahlen immer ein bisschen schlechter als die Parteichefs ab. Sie aber haben Julia Klöckner abgehängt. Was war denn da los?

Julia Klöckner macht eine hervorragende Arbeit, in Rheinland-Pfalz wie in Berlin. Ich denke, dass sie als stellvertretende Bundesvorsitzende und Mitglied der Bundesregierung auch ein bisschen für die Situation in Berlin mitverantwortlich gemacht wurde. Natürlich freue ich mich über mein Ergebnis und das Vertrauen der Mitglieder.

Könnte der Dämpfer für Julia Klöckner auch darin begründet sein, dass der eine oder andere Delegierte sagt: Klärt mal eure Verhältnisse in Rheinland-Pfalz, auch mit Blick auf die Landtagswahl 2021?

Das glaube ich nicht. Julia Klöckner und Christian Baldauf arbeiten gut zusammen. Beide werden zu gegebener Zeit mit den Gremien entscheiden, wer Spitzenkandidat 2021 wird. Aber erst einmal gilt der Blick der Kommunal- und Europawahl im kommenden Jahr. Da wollen wir als CDU in Rheinland-Pfalz wieder stärkste Kraft werden.

Sie sind praktizierender Arzt. Ist Ihre Arztsprechstunde auch Ihre Bürgersprechstunde?

Die Kontakte am Rande von Sprechstunden sind mir schon wichtig, ja. Die Leute sagen: ‘Doktor, das da war gut.’ Oder: ‘Kümmern Sie sich mal um diese oder jene Sache.’ Für das Stimmungsbild ist das hervorragend.

Wie ist denn die Stimmung?

Die Menschen haben Verlustängste. Dieses Tempo, das wir seit der Industrialisierung gehen, wird immer rasanter, maximal beschleunigt durch die digitale Revolution. Immer nur höher, schneller, weiter – dieser Fortschrittsgedanke überfordert viele Menschen. Die Leute merken instinktiv, dass alles, was sie haben, womöglich nicht mehr sicher ist.

Mit diesen Zukunftsängsten beschäftigten sich doch alle Parteien. Warum sollte gerade die CDU diejenige Partei sein, die die Leute mitnimmt?

Weil die CDU die Partei ist, die das richtige Verhältnis darin hat, wirtschaftlichen Fortschritt zu gestalten, aber auch die Menschen im besten konservativen Sinne mitzunehmen. Konservativ heißt nach dem früheren britischen Premierminister Lord Salisbury auch, den Wandel zu verzögern, bis er harmlos ist.

Ist die CDU denn noch eine konservative Partei? Was ist denn ihr Markenkern?

Heimat, Tradition, Brauchtum, Innere Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit, das ist der Markenkern der CDU.

Glauben Sie, dass das Flüchtlingsjahr 2015 für die CDU das wird, was für die SPD die Agenda 2010 war?

Wenn wir nicht klar machen, dass wir das Flüchtlingsproblem nachhaltig und für alle Zeit lösen, ja. Es ist keine Alternative, zu sagen, wir können die europäischen Außengrenzen nicht sichern, oder wir können nicht über externe Aufnahmelager sprechen.

In der rheinland-pfälzischen CDU herrscht irgendwie Lähmung, man weiß offensichtlich nicht so genau, wie man den Stier – die SPD unter Malu Dreyer – bei den Hörnern packen soll. Haben Sie eine Antwort?

Wir leben in einer so turbulenten Zeit, dass wir gut daran tun, auf uns zu schauen, klar unseren Markenkern herauszustellen und für diese Überzeugungen zu werben. Und dann bin ich felsenfest überzeugt, dass wir in Rheinland-Pfalz als die relevante Volks- und staatstragende Partei wahrgenommen werden.

Es läuft doch ganz gut in der Ampel. Wozu braucht man eine andere Regierung in Rheinland-Pfalz?

Nehmen Sie Gesundheitspolitik, die Ärzteversorgung. Da treiben wir die Landesregierung vor uns her. Oder die Sicherheitspolitik: Ohne uns wäre es nie dazu gekommen, dass die Polizeizahlen zumindest leicht erhöht wurden und die Polizei besser ausgerüstet ist. Auch hat die CDU den ländlichen Raum besser im Blick als die anderen Parteien.

Wann wird es die ersten Koalitionen von CDU und AfD geben?

Wenn wir uns auf das konzentrieren, was ich hier genannt habe, werden wie die AfD zurückdrängen. Was Koalitionen betrifft, so halte ich ein Bündnis mit der AfD für ausgeschlossen.

Das Interview führte Markus Lachmann.

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