Wednesday, 21st August 2019
21 August 2019

„Pillenpause“ ist medizinisch nicht notwendig

Antibabypille: Frauen nehmen sie typischerweise 21 Tage am Stück ein und legen dann eine mehrtägige Pause ein. (Quelle: areeya_ann/Getty Images)

Traditionell wird bei der Einnahme der Antibabypille regelmäßig eine Einnahmepause eingelegt. Medizinisch notwendig ist das laut Experten nicht. Warum es die sogenannte „Pillenpause“ dennoch gibt – und was der Papst damit zu tun hat.

Die Pillenpause, die Frauen, die mit der Antibabypille verhüten, alle 21 Tage einlegen, ist nicht notwendig und bringt keinen gesundheitlichen Vorteil. Darauf macht die britische FSRH (Faculty of the Royal College of the Obstetricians and Gynaecologists), die dem britischen Gesundheitssystem in Fragen rund um die sexuelle Reproduktion beratend zur Seite steht, aufmerksam. Sie hat ihre Leitlinie zur Antibabypille diesbezüglich angepasst. Darin wird nun als Alternative zur typischen siebentägigen Einnahmepause eine durchgängige Einnahme und eine Verkürzung der Pause auf vier Tage genannt. Auch in Deutschland soll die entsprechende Leitlinie angepasst werden.

Für die Pillenpause gibt es keine wissenschaftlichen Gründe

Denn für eine Pause von sieben Tagen gibt es keine wissenschaftliche Grundlage. „Das wurde durch den Kalender bestimmt, nicht durch die Wissenschaft“, sagt John Guillebaud, emeritierter Professor für Familienplanung und Fortpflanzungsgesundheit am University College London. Er ist Mitautor einer im Fachmagazin „BMJ Sex Reprod Health“ veröffentlichten Studie zum Thema. Dass die Pille mit einem hormonfreien Intervall eingeführt wurde, habe ihm zufolge den Zweck gehabt, der Frau jeden Monat zu versichern, dass sie nicht schwanger ist. Es sollte zudem dazu beitragen, dass sich Frauen „normal“ fühlen, da sie dadurch in den natürlichen Abständen regelmäßig eine Blutung haben.

Die Pillenpause soll auch dazu genutzt worden sein, das Verhütungsmittel beim Papst beliebter zu machen. Davon berichtet Professor John Guillebaud. Der Gynäkologe John Rock war ihm zufolge an den klinischen Tests der von Gregory Pincus entwickelten Antibabypille beteiligt. Rock versuchte, die katholische Kirche davon zu überzeugen, die Pille zu erlauben. Seine Argumentation: Die Verwendung der Pille sei eine präzisere Form der vom Papst erlaubten Kalendermethode (Knaus-Ogino-Rechenmethode). Auch mit ihr bekommen Frauen – durch die Pillenpause – regelmäßig ihre Periode. Der Gynäkologe wollte, dass die Kirche diese Verhütungsmethode als „natürlich“ und somit als akzeptable Form der Geburtenkontrolle betrachtet, weil sie dieselben Hormone beinhalte, die im weiblichen Körper bereits vorhanden seien.

Hormonentzug während der Pillenpause

Der Pillenzyklus sollte dem normalen Zyklus der Frau möglichst nahe kommen, sagt auch Ludwig Kiesel, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Münster. „Insgesamt hat man gedacht, es komme der Natur näher, wenn man immer wieder Perioden hat.“ In der Praxis habe man aber gemerkt, dass das für viele Frauen nicht zwingend das Beste ist. Denn bei manchen reagiert der Körper negativ auf die Pillenpause. Vor allem Frauen ab 40, die nicht mehr ganz so viele Hormone bilden, haben in der Pause zu wenig Hormone. „Das empfindet manche Frau als unangenehm, sie hat dann zum Beispiel Hitzewallungen“, erklärt Kiesel.

Andere Frauen bekommen in der Pause Kopfschmerzen, weil sie auf Hormonentzug sind. „Wenn man die Pille abrupt nach 21 Tagen absetzt, dann ist da einfach ein gewisses Loch.“ Den Abfall gebe es in dem Extrem in der Natur schließlich nicht.

Wiederum andere Frauen leiden unter starken Schmerzen während der Periode. Die kontinuierliche Einnahme der Pille und damit das Ausbleiben der Periode kann auch für sie eine Erleichterung sein. „Wir brauchen das regelmäßige monatliche Bluten nicht, um gesund zu sein“, sagt Sarah Hardman, Co-Direktorin der Clinical Effectiveness Unit der FSRH.

Durch weniger oder auf vier Tage verkürzte hormonfreie Intervalle könnten Frauen darüber hinaus das Risiko, aufgrund von Einnahmefehlern schwanger zu werden, reduzieren. „Die gefährlichste Zeit, die Einnahme der Pille zu vergessen, ist am Anfang und am Ende eines pillenfreien Intervalls“, sagt Diana Mansour, Vizepräsidenten für Klinikqualität an der FSRH.

Zwischenzeitlich eine Pause einlegen

Da noch weitere Studien zu dem Thema fehlten, sei noch nicht ganz klar, ob, wie lange und wie oft Frauen zwischendurch einen hormonfreien Intervall einlegen sollten. „Die Schleimhaut der Gebärmutter bekommt permanent Hormone. Deshalb bestand ein wenig die Sorge, sie blute sich nicht ab und das dort im Extremfall Krebs entstehen könnte“, so Kiesel. Er rate seinen Patientinnen, die einen Langzyklus wählen, deshalb dazu, einmal im Jahr eine Pause einzulegen.

Kiesel ist für die Leitlinienerstellung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) zur Einnahme der Antibabypille zuständig. In der neuen Version, die bald veröffentlicht werden soll, steht auch drin, dass ein Langzyklus möglich ist. „Da steht aber nicht drin, dass man es machen soll, das andere ist ja nicht falsch“, so Kiesel. Aber für Frauen, die unter einer Nebenwirkung leiden und einen Vorteil haben, wenn sie auf den Langzyklus umstellen, könne es sinnvoll sein.

Die Antibabypille besitzt bei allen Einnahmezyklen Risiken wie beispielsweise ein erhöhtes Thromboserisiko. Letztendlich sollte jede Frau in Absprache mit ihrem Gynäkologen entscheiden, welche Art der Einnahme für sie und ihr Pillenpräparat am sinnvollsten ist.

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