Wednesday, 21st August 2019
21 August 2019

Blähungen – einfache Hausmittel können helfen: Was tun bei Flatulenz?

Eine Wärmeflasche beruhigt den Darm und kann so bei Blähungen helfen. (Quelle: Christian Ohde/imago)

Blähungen sind zwar meist harmlos, aber sehr unangenehm. Zahlreiche Hausmittel können glücklicherweise bei diesem Problem helfen und die Beschwerden lindern. Mit ein paar Tipps lassen sich Blähungen sogar vorbeugen.

Überblick

Laut Studien haben 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung regelmäßige Blähungen. In den meisten Fällen sind sie auch kein Grund zur Besorgnis – und gerade nach einem üppigen Essen völlig normal. Das wusste auch der Reformator Martin Luther. Ihm werden folgende berühmte Worte zugeschrieben: „Warum rülpset und furzet ihr nicht? Oder hat es euch nicht geschmecket?“ 

Doch heutzutage spricht keiner wirklich gerne über die „Flatulenzen“, wie sie im Fachjargon auch genannt werden. Dabei ist es eine rein natürliche Reaktion des Körpers, den Druck im Bauch herauszulassen. Laut Experten gelten Blähungen als unnatürliche Störungen, wenn sie mehr als 20 Mal am Tag auftauchen und dem Körper Schmerzen bereiten. Viele greifen dann voreilig zu Medikamenten aus der Apotheke – dabei kann man gegen die Flatulenzen mit einfachen Hausmitteln oft selbst vorgehen.

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Tee: PflanzlichesHausmittel gegen Blähungen

Die Liste von Hausmitteln, die gegen Blähungen helfen sollen, ist lang. Oft sind es ganz einfache Mittel und Methoden, an die man zunächst nicht denkt. So kann beispielsweise allein heißes Wasser mit ein paar Tropfen Apfelessig oder Zitronensaft Abhilfe gegen harmlose Blähungen schaffen. Außerdem stellt die Natur einen breiten Fundus an pflanzlichen Mitteln zur Verfügung, die bei zu viel Luft im Darm Linderung schaffen können – als besonders wirksam gegen Blähungen und Völlegefühl gelten folgende Heilpflanzen:

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All diese Heilkräuter enthalten ätherische Öle, die dafür bekannt sind, bei Magen-Darm-Problemen Abhilfe zu leisten. Sie wirken verdauungsanregend und entkrampfend. Am besten nehmen Sie die Kräuter als Tee zu sich. Dafür können Sie entweder zu bereits fertigen Mischungen in Teebeuteln greifen oder frische Samen, Blätter und Früchte der Pflanzen mit einem Mörser zerkleinert in ein Teesieb geben. Ein Teelöffel reicht meist aus.

So können Sie sich auch eine eigene Teemischung aus den verschiedenen Gewürzen herstellen. Auf diese Weise gelingt es auch, den Geschmack von Kümmel zu überdecken, den nicht jeder mag. Der Tee sollte dann etwa zehn Minuten ziehen – trinken Sie etwa drei Tassen verteilt über den Tag, idealerweise nach jeder Mahlzeit.




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Weitere Hausmittel, die gegen Blähungen helfen:


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Was hilft gegen die Beschwerden? Schnelle Hilfe und Tipps

Zusätzlich zu den Hausmitteln können Sie weitere Maßnahmen ergreifen, die gegen das Unwohlsein bei Blähungen helfen:

Wie Blähungen entstehen

Menschen schlucken reichlich Luft in Alltag, sei es beim Atmen, Sprechen oder Essen. Die Luft wird in der Regel größenteils durch den Mund wieder ausgeschieden, der Rest wandert in den Darm. Die dort angesiedelten Bakterien produzieren beim Verdauen Wasserstoff, Stickstoff, Kohlendioxid und Methan. Auf diese Gase prallt die Luft, das Gemisch wirbelt durch den Darm und will nach draußen – als Pups.

Überblähung: Eine akute Überblähung kann in seltenen Fällen sogar auf einen Darmverschluss oder eine Darmlähmung hinweisen. Luft ist hier zwar vermehrt vorhanden, sie ist jedoch, wie meist auch der Stuhl, blockiert. Beides kann aus unterschiedlichen Gründen mit starken Bauchschmerzen einhergehen. Eine Darmlähmung ist immer ein medizinischer Notfall und muss sofort ärztlich behandelt werden.  

Die Darmgase sollten freigelassen werden und lieber nicht unterdrückt werden: Je mehr Luft sich im Darm ansammelt, desto größer wird der Dehnungsreiz. Hält man die Gase zu lange zurück, können unter anderem ein drückender, schmerzhafter Blähbauch (Meteorismus) oder das Roemheld-Syndrom die Folgen sein.

Im Prinzip sind Darmwinde also harmlos und lediglich ein Zeichen dafür, dass der Darm arbeitet. Von Blähungen oder Flatulenz spricht man erst dann, wenn sich zu viel Luft im Bauch befindet, die über den Darmausgang (After) entweicht. 

Das Roemheld-Syndrom: Das Syndrom, das nach dem Internisten Ludwig von Roemheld benannt ist, bezeichnet Herzbeschwerden, die durch die übermäßige Gasbildung im Dickdarm auslöst werden. Dabei drücken die Gase das Zwerchfell nach oben, das wiederrum Druck auf das Herz ausübt.

Ursachen von Blähungen

Aber wie gelangt überhaupt die überschüssige Luft in den Bauch und wie bildet sich übermäßig viel Gas im Darm? Für Blähungen gibt es verschiedene Ursachen, die meist harmlos sind. vor allem die Ernährung spielt eine wichtige Rolle.:

Blähungen nach dem Essen: Blähende Lebensmittel

Blähungen nach dem Essen: Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen und Linsen könnten Schuld an den Blähungen sein. (Quelle: peangdao/Getty Images)

In den meisten Fällen entstehen Blähungen durch falsche Ernährung und ein Übermaß an blähenden Lebensmittelb Folgende sind allgemein bekannt für ihre blähende Wirkung:

Lebensmittelgruppe Beispiele
Backwaren frisches Brot, Hefegebäck 
Gemüse  Spargel, Kohl, Zwiebeln, Pilze, Paprika, Gurken, Rettich, Knoblauch, Lauch
Obst Trockenobst, Steinobst (z.B. Kirschen, Zwetschgen, Mirabellen und Pfirsiche), Zitrusfrüchte
Fleisch Ente, Gans
Wurst Mett- und Teewurst, Salami
Fisch Räucherfisch, Hering, Aal, Lachs, Sardinen
Kartoffelprodukte Bratkartoffeln, Pommes Frites, Kroketten, Kartoffelpuffer
Milchprodukte fettiger Käse, Vollmilch, Sahne
Getränke Fruchtsäfte, kohlensäurehaltige Getränke, Alkohol, Kaffee, schwarzer Tee
Hülsenfrüchte Erbsen, Bohnen, Linsen

Doch nicht bei jedem Menschen lösen die oben genannten Lebensmittel zwangsläufig Blähungen aus, denn jeder Körper hat eine ganz eigene Zusammensetzung von Darmbakterien (Darmflora) und verträgt deshalb bestimmte Nahrungsmittel mehr oder weniger gut. Auch die Intensität und Häufigkeit der Blähungen hängt von der individuellen Darmflora und der Verdauung ab.

Übrigens: Auch Fruchtzucker (Fruktose) kann Blähungen auslösen. Gelangt er in den Dickdarm, wird er durch Bakterien zerlegt. Dabei entstehen Gase und teils übel riechende Fettsäuren, unddie Verdauung gerät aus dem Takt.

Krankheiten als Ursachen von Blähungen

Seltener kommen als weitere Ursachen von Blähungen sowohl kurzfristige als auch schwerwiegende Krankheiten in Frage. Folgende Erkrankungen werden mit ständigen Blähungen verbunden:

Reizmagen oder Reizdarm? Reizmagen und Reizdarm gehören zu den funktionellen Darmerkrankungen. Treten die Beschwerden im Oberbauch auf, handelt es sich um einen Reizmagen. Einen Reizdarm hat man, wenn der Unterbauch betroffen ist. Viele Betroffene haben eine Kombination aus Reizmagen und Reizdarm. Daher werden diese Begriffe fälschlicherweise oft als Synonyme verwendet.

Blähungen vorbeugen: Umstellung von Gewohnheiten

Gegen Blähungen, die durch Stress verursacht werden, können Entspannungstechniken helfen. (Quelle: LightFieldStudios/Getty Images)

Liegen keine Vorerkrankungen vor, die eine ständige Flatulenz begünstigen, ist es recht einfach, Blähungen vorzubeugen. Folgende Maßnahmen helfen, Blähungen langfristig zu vermeiden:

Diagnose: Was der Arzt macht

Wenn Hausmittel gegen die Blähungen nicht helfen, sollten Sie lieber einen Arzt aufsuchen. (Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa)

Blähungen sind in den meisten Fällen kein Grund für Panik und können gut mit Hausmitteln behandelt werden. Grund zur Sorge gibt es erst, wenn die Blähungen mit Begleiterscheinungen wie einem ständigen Blähbauch, Bauchschmerzen, Krämpfen, Unwohlsein, Veränderungen im Stuhl oder auf lange Zeit auffällig häufig auftreten. Mit diesen Symptomen sollten Sie einen Arzt aufsuchen – eine frühe Diagnose ist notwendig, um alle Eventualitäten auszuschließen und bei Bestehen einer Krankheit schnellstmöglich handeln zu können.

Bei der Untersuchung (Anamnese) wird der Arzt zunächst eine Bestandsaufnahme Ihrer bereits bekannten Krankheiten, eventuellen Allergien, Medikamenten und Ihren Lebens- und Ernährungsgewohnheiten machen. Je nachdem, an welchen Symptomen Sie leiden, gibt es neben der allgemeinen Kontrolle der Gesundheitssituation weitere Möglichkeiten zur Untersuchung:

Nach diesen Untersuchungen wird Ihnen der Arzt zu den geeigneten Maßnahmen raten. Gegebenenfalls kann eine Darmreinigung beziehungsweise eine Darmsanierung nötig werden, um die Darmflora wieder aufzubauen. 

Blähungen bei Schwangeren durch trägen Darm

Haben schwangere Frauen Probleme mit Blähungen, hängt es häufig mit der Darmträgheit zusammen, die mit der Schwangerschaft einhergeht. Das Gelbkörperhormon Progesteron entspannt den Darm, sodass die Verdauung langsamer wird und somit mehr Gase im Darm entstehen. 

Besonders in den ersten drei Monaten haben Schwangere mit Blähungen und Verstopfungen zu kämpfen, da sich der Darm bereits in der Frühschwangerschaftsphase auf die Umstellung vorbereitet.

Blähungen bei Babys: Koliken sind oft Schuld

Bei Säuglingen sind Blähungen oftmals der neuen Situation geschuldet, in der sie sich befinden. Der kleine Darm des Babys muss sich an die neue Nahrung gewöhnen, die verdaut werden muss und läuft auf Hochtouren. Zudem führen Dreimonatskoliken (exzessives Schreien) dazu, dass das Baby zu viel Luft verschluckt, was wiederum zu Bauchschmerzen und Blähungen führt. Ein Bäuerchen kann Wunder bewirken – sie sollten nur nicht erzwungen werden, denn das kann kontraproduktiv sein.

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