Thursday, 23rd May 2019
23 Mai 2019

Deutschland will Google und Amazon die Stirn bieten

Mit Fußball hat die „Transferinitiative“ nichts zu tun. Dennoch geht es um die Besten der Besten. Und um Erfindungen, mit denen deutsche Unternehmen bei künstlicher Intelligenz punkten können. Aus Berlin Sabine Kinkartz.

Was bei der Audiokomprimierung MP3 schief ging, hat bei der dreidimensionalen Fertigung mit einem Drucker bislang geklappt: Der 3D-Druck wurde nicht nur in Deutschland erfunden, deutsche Unternehmen sind bis heute bei der bahnbrechenden Technologie auch führend. „Da wird sogar schon erforscht, wie man Raumstationen auf dem Mars und bemannte Stationen auf dem Mond nicht bauen, sondern vor Ort drucken kann“, freut sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. „Da muss man nur den Drucker transportieren und der druckt dann mit den Baumaterialien aus, die er vor Ort findet.“

Eine Erfolgsgeschichte, die keineswegs so selbstverständlich ist, wie man angesichts der boomenden deutschen Wirtschaft annehmen könnte. 90 Milliarden Euro investierten Staat und Wirtschaft 2015 in Forschung und Entwicklung. Das sind drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Bis 2025 sollen es sogar 3,5 Prozent werden. Damit spielt Deutschland im internationalen Vergleich durchaus in der ersten Liga mit. Bei der Umsetzung neuer Ideen in nützliche und begehrte Produkte und Dienstleistungen macht sich das allerdings immer weniger bemerkbar.

Pferdestärken und keine Straße in Sicht

Vor allem der Mittelstand wird immer schwächer. Das zeigt die sogenannte Innovatoren-Quote, die misst, wie viele Unternehmen in den vergangenen drei Jahren Innovationen hervorgebracht haben. 1999 waren es noch 56 Prozent der mittelständischen Unternehmen,  2017 nur noch 36 Prozent. „Dabei sind gerade die agilen, kleinen und mittleren Unternehmen für unsere Innovationskraft und unseren Wohlstand wichtig“, klagt Minister Altmaier.

Ein Haus aus dem 3D-Drucker

Forschung und Entwicklung konzentrieren sich zunehmend in großen Konzernen und in wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen. „Wir haben in der Grundlagenforschung in vielen Bereichen eine gute Stellung“, umreißt Wirtschaftsminister Altmaier das Problem. „Trotzdem stellen wir fest, dass wir häufig die PS nicht auf die Straße bringen.“

Bundesregierung greift ein

Dabei will die Politik nicht länger tatenlos zusehen. In ihrem vor einem Jahr geschlossenen Koalitionsvertrag haben CDU, CSU und SPD eine sogenannte „Transferinitiative“ beschlossen, die das Bundeswirtschaftsministerium jetzt in die Tat umsetzen will. Das Ziel: Technologien, Wissen und Unternehmen in Deutschland zusammen zu bringen, die sich gegenseitig brauchen und ergänzen und damit erfolgreich sein können. Aber liegt vielleicht gerade hier das Problem? Finden Forschungsergebnisse auch deswegen keine Abnehmer, weil bestimmte Unternehmen in Deutschland, beispielsweise im Internet-Sektor, gar nicht entstanden sind?

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„Der Mittelstand ist innovativ bei Produkten, die er macht, aber nicht bei Anwendungen der künstlichen Intelligenz“, umreißt der Bundeswirtschaftsminister das Problem. Tatsächlich steht in wichtigen Zukunftstechnologien die berüchtigte MP3-Pleite schon wieder im Raum. Ob künstliche Intelligenz, Remote Control oder Sprachsteuerung – in allen diesen Bereichen haben deutsche Forschungseinrichtungen Erfolge vorzuweisen. Publikationen wurden veröffentlicht und Patente angemeldet. Den kommerziellen Erfolg fuhren die US-Internetgiganten Amazon, Apple und Google ein.

Kauft Google bald noch die Maschinen?

Auch bei „Industrie 4.0“, dem Sprung in die digitale Fertigung, ist Deutschland erfolgversprechend gestartet. Der Begriff wurde in Deutschland geprägt. Aber werden es auch deutsche Unternehmen sein, die die Erfolge feiern, wenn die reale Welt der Maschinen endgültig mit der virtuellen des Internets verschmolzen ist? Diese Frage treibt den Bundeswirtschaftsminister enorm um. „Maybe you have the web, but we have the things“, habe er vor kurzem in einer Diskussion mit einem Vorstandsmitglied von Google über die Bedeutung der Maschinen im „Internet der Dinge“ gesagt, erinnert sich Altmaier. Der Google-Vertreter habe daraufhin nur maliziös gelächelt und geantwortet: „Ach ja, vielleicht kaufen wir die Dinge auch noch.“

Ihre Erfolge feiern Unternehmen wie Google auch mit Hilfe deutscher Grundlagenforschung, weil sie auch deutsche Professoren unter Vertrag haben. „Jeder Euro, den wir in Deutschland für Grundlagenforschung ausgeben führt auch dazu, dass andere profitieren“, so Altmaier. Umso wichtiger sei es, die Forschungsergebnisse auch im eigenen Land zu nutzen. Und zwar schnell. In China sei man der Meinung, dass auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz in Zukunft nur die Volksrepublik selbst und die USA eine nennenswerte Rolle spielen würden. „Ich lasse das mal dahingestellt, dass es keinen Platz drei geben soll, aber wir befinden uns in einer Situation, in der weltweit die Claims neu abgesteckt werden“, warnt der Wirtschaftsminister.

Bei 600.000 Euro ist Schluss

China und die USA sind zwei Länder, die allerdings auch viel Geld in Zukunftstechnologien stecken. Wer sich den Förderkatalog der Transferinitiative ansieht, der muss feststellen, dass in der Rubrik „Förderhöhe“ höchstens einmal 600.000 Euro auftauchen. „Das reicht einfach nicht“, erklärt Dominik Ewald, Gründer des Start-up MonitorFish, das ein Diagnostik-System zur intelligenten Echtzeit-Überwachung von Aquakulturen entwickelt hat. Wasserqualität, Fischbewegungen, Wachstum und Verhaltensmuster werden mit Hilfe von künstlicher Intelligenz so analysiert, dass Stress oder Krankheiten erst gar nicht entstehen. Dafür gab es Preise und Fördergelder auch von Seiten des Bundeswirtschaftsministeriums. Doch die aktuellen Angebote reichen nicht mehr aus, um das Unternehmen auf eine neue, auch internationalere Stufe zu heben.

In China sind Aquakulturen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor

Er habe Angebote aus China und den USA, berichtet Ewald. Dort seien Finanzinvestitionen in zweistelliger Millionenhöhe kein Problem. Das weiß auch Minister Altmaier. In diesem Bereich sei es nach wie vor „ganz, ganz schwierig, da haben wir Marktversagen in Deutschland.“ Das Paradoxe dabei sei, dass in den großen Venture-Capital-Fonds in den USA häufig auch deutsche und europäische Geldgeber mit vertreten seien. „Die sagen, die können das, die wissen wie das geht, da legen wir unser Geld an, aber in Deutschland werden wir den Teufel tun, solche großen Projekte zu unterstützen.“

Der Blick über die Schulter

Daran müsse man arbeiten, so Altmaier, der aber nicht den Eindruck erweckt, dass sich bei der Finanzierung so schnell etwas ändern wird. Die Transferinitiative setzt daher auf Kooperationen und Zusammenschlüsse von mehreren Unternehmen bei der Förderung von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben. Doch auch da sind noch viele dicke Bretter zu bohren. Denn sich zusammenschließen, dem Konkurrenten Einblick ins Innerste des eigenen Unternehmens zu bieten, das liegt auch nicht unbedingt in der Tradition der deutschen Wirtschaft.

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